Weitere Merkwürdigkeiten.

Bevor ich nach Irland kam, hatte ich genau einen Wohnungsbesichtigungstermin ausgemacht. Da sich in den ersten zwei Tagen aber andere Wohnungen auftaten, die näher am Zentrum lagen, sagte ich die Besichtigung allerdings ab und habe mich nicht mehr darum gekümmert. Bekannt ist ja, dass aus den Wohnungen leider nichts wurde, an meine erste Besichtigung habe ich gar nicht mehr gedacht.

Heute morgen suchte Claire im Internet und fand eine Wohnung, die gerade vor einigen Minuten im Internet eingetragen wurde. Sie rief dort an und machte einen Termin für mich aus. Claire erzählte mir dann davon am Telefon und sagte, dass sich die Vermietern offensichtlich an mich erinnern könne. Ich konnte mit der Wohnung allerdings wenig anfangen, fuhr aber natürlich heute Abend dorthin und rief die besagte Frau an, damit sie mich zum Haus leiten könne. Sie erklärte mir dann den Weg zu ihrem Haus. Da wurde mir klar, dass dies tatsächlich die gleiche Wohnung war, deren Besichtigungstermin ich vor zwei Wochen abgesagt hatte.

Verrückt. Ich ziehe dort nun ein und somit bewahrheitet sich also doch, dass ich immer sofort einen Parkplatz vor der Tür bekomme. Manchmal fährt man nur nochmal um den Block, um vielleicht einen zu bekommen, der noch besser ist. Endlich ist also das Thema Wohnungssuche auch erledigt, ich habe sogar Platz für ein bis zwei Besucher. Zusammenwohnen werde ich mit einer Irin und einem Spanier. Wer wissen will, wo das ist, klickt hier.

Shopping sonntags. Mittags Meer.

Konsumfreunde wie ich kommen in Irland voll auf ihre Kosten. Denn selbst sonntags kann man hier herrlich einkaufen. Supermärkte haben geöffnet, genauso wie die großen Shoppingstraßen. Wir sind heute in den Süden Dublins gefahren, ins Dundrum Town Centre. Das ist ein riesiges Shoppingparadies. Tolle Läden, Boutiquen, Restaurants auf 4 Ebenen. Da kann sich das Liliencarre in Wiesbaden einiges abschauen. Auf dem Weg dorthin kommt man durch einige der schönsten Vororte Dublins: Ranelagh, Milltown, Dundrum, Rathmines. Der Südteil der Stadt ist ja generell sehens- und lebenswerter als der Norden. Das Stadtbild ist ein komplett anderes, alles ist ordentlich, schön, kein Dreck, nicht Laut. Kein Wunder, dass die Leute lieber dort wohnen als im Norden. Denn der ist eng, schmutzig, alt, teilweise auch gefährlich. Diese “Spaltung” der Stadt gibt es schon lange. Bis heute ist die Verkehrsanbindung der Teile untereinander recht dürftig.

Dennoch hat auch der Norden seinen Reiz. Hier gibt es mit Bull Island einen der schönsten Strände von Dublin. Ein riesiger Sandstrand, der sich vom Hafen Dublins bis zur Halbinsel Howth zieht. Dort waren wir dann am späten Nachmittag auf einen Spaziergang. Offensichtlich sind die Gezeiten im Frühjahr immer heftiger als sonst. Denn an der Küstenstraße liegen derzeit Unmengen von Sandsäcken, die die Einfahrten und Grünanlagen vor den Wassermassen schützen sollen. Das liegt offensichtlich an Winden, die traditionell im März immer stärker sind als in den übrigen Monaten. Der Strand war bevölkert von Kytesurfern, Drachensteigern und Spaziergängern. Es war Ebbe und man hätte denken können, dass man sich am Wattenmeer befindet. Denn das Wasser fällt hier sehr flach ab. Wenn man hier schwimmen wollte, müsste man sicher erst 50m ins Wasser gehen, bis man bis zu den Knien im selbigen steht.

Menschen.

Jeden morgen schlängeln sich hier tausende von Menschen zu Fuß in das Stadtzentrum. Alle laufen in eine Richtung, die Bürgersteige sind voll von Menschen. Es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, als sich ihren Weg zu Fuß zu bahnen. Eine U-Bahn gibt es nicht, die S-Bahn fährt eigentlich nur in Nord-Süd-Richtung an der Küste entlang und die zwei Straßenbahnlinien sind nicht einmal miteinander verbunden. Busse fahren zwar jede Menge, aber ganz ehrlich: Das System versteht keiner und zuverlässig sind die auch nicht.

Mein (derzeitiger) Weg ins Büro führt immer von Norden entlang der Westland Row, an der Pearse Station vorbei. Morgens um halb neun ist dort ein wirklich geschäftiges Treiben, alle strömen in eine Richtung. Dazu der Verkehr. Es ist laut, eine Mischung aus Geräuschen, Gesprächen, Gehupe, Gelächter. Der typische Großstadtsound eben. Vorgestern ist allerdings etwas bemerkenswertes passiert. Direkt an der Brücke der Pearse Station saß ein alter Mann. Langer weißer Bart, typisch irische Kleidung. Er hätte durchaus als alter Schafhirte durchgehen können. Er saß dort also am Straßenrand und spielte auf seiner Whistle (das sind diese kleinen, dünnen Flöten aus Metall, die man in irischer Volksmusik immer hört). Der Ton dieses Instruments ist sehr durchdringend und übertönt mühelos die Geräuschkulisse dieser Straße – ohne dabei unangenehm zu wirken.

Der Mann spielte ein altes irisches Lied. Sofort wurde die Geräuschkulisse viel ruhiger, die Menschen schienen alle ein wenig durchzuatmen und sich zu entspannen, alleine aufgrund der Musik. Dieser kurze Moment, an dem man an diesem Mann vorbeiging, bewirkte eine Beruhigung der gesamten Szene. Beeindruckend.

An Wochenende ist die Stadt auch noch besonders voll. Denn heute mittag ist hier ein großes Rugby-Spiel: Irland gegen Wales. Bereits gestern waren so viele Leute aus Wales unterwegs. Die Pubs gestern Abend waren voll mit Leuten von dort, die für das Spiel herübergeflogen sind. Wir werden uns heute mittag auch in ein Pub begeben und das Spiel anschauen. Vorher muss ich aber noch bei Wikipedia schauen, wie das Spiel eigentlich funktioniert.

Nachtrag.

Am Sonntagmittag waren wir in Dun Laoghaire unterwegs. Wer über dieses Wort beim Lesen nicht gestolpert ist, hat meinen größten Respekt, falsch haben diejenigen es aber dennoch ausgesprochen. Denn der Name diese kleinen Hafenstadt südlich von Dublin klingt ungefähr wie “Dann Lierie”- ist offensichtlich gälisch.

Dort gibt es sonntags einen netten kleinen Food Market, mit leckeren Spezialitäten aus aller Herren Länder. Die Fahrt von Dublin City bis dorthin dauert mit der S-Bahn D.A.R.T. ca. 30 Minuten. Die Fahrt führt direkt am Meer entlang und ist dementsprechend schön. Bilder siehe flickr.

Bier? Bier.

Was ich hier schon immer am meisten mochte, ist die Geselligkeit der Menschen und die Kneipenkultur dieses Landes. Ich habe neulich gelesen, dass dies mit dem schlechten Wetter zu tun hat. Früher blieb den Menschen einfach nichts anderes übrig, als sich die kalten und nassen Abende in einer kuschelig warmen Atmosphäre zu vertreiben. Da saßen sie nun also, dicht gedrängt, in Räumen, die dann irgendwann wahrscheinlich Pubs hießen. Sie betranken sich nach der Erfindung von Guinness recht häufig und machten viel Musik und pflegten das Tanzen und Dichten. Die Basis einer schönen Kultur- dank des schlechten Wetters- und des guten Biers.

Geändert hat sich daran nicht viel. Im Gegenteil. Bis vor ein Paar Jahren war es hier noch so, dass die Pubs an einem Freitagabend gerammelt voll waren und zwar schon ab 17:00h. Jeder fiel aus dem Büro direkt in die nächste Kneipe. Aus Freitag wurde Donnerstag, aus Donnerstag wurde Mittwoch und heute ist der Dienstag der neue Freitag. Die Pubs sind also die ganze Woche voll von Menschen, die nicht zu Hause sein wollen.

Gestern waren mein Bruder und ich kleine Revoluzzer: Wir sind montags Bier trinken gegangen. In guter alter Tradition des Kristallbierabends in Wiesbaden. Wir waren im Harbourmaster, meiner Lieblingskneipe in Dublin seit einigen Jahren. Im Haus des ehemaligen Hafenmeisters befindet sich dort ein richtig nettes, nicht zu rustikales Pub. Mein Bruder wohnt direkt um die Ecke, ich gezwungener Maßen auch noch. Und was mussten wir feststellen: Der Laden war brechend voll. Offensichtlich ist der Montag nun der neue Dienstag der neue Mittwoch der neue Donnerstag der neue Freitag.

Kurz um: Wer Pubs mag, Bier mag, wen 5 Euro pro Pint nicht abschrecken: Der ist hier genau richtig. Die Leute kuscheln sich wie vor 100 Jahren jeden Abend zusammen. Herrlich.