Archive for May, 2008

Das schoenste Lied der Welt.

Tuesday, May 13th, 2008

Mein Weg zur Arbeit fuehrt jeden Tag durch das Viertel “Temple Bar”, welches in jedem Reisefuehrer als die Partymeile Dublins beschrieben wird. Gelogen ist das auch nicht, nur ein wenig falsch ausgedrueckt. Gefeiert wird dort sehr wohl, aber Dubliner verirren sich aeusserst selten hierher. Also sind dort die Touristen, die dann denken, dass sie wahnsinnig irisch gefeiert haben. Den Reisefuehrern sei Dank. Sei’s drum.

Morgens ist die Strasse durch Temple Bar voll von LKW, die Bierfaesser und Flaschen bringen. Jeden Tag. Unmengen. Abends wird sie auch immer wieder von Strassenkuenstlern bevoelkert. Musiker, Maler, Menschen, die sich fuer Puppen halten, ein Mann, der Hunde aus Sand formt und alles moegliche andere. Auffaellig oft gibt es Gitarrenspieler. Ich bin selbst Musiker, stehe haeufig auf der Buehne und kann mich total begeistern fuer die die unterschiedlichsten Arten von Musik. Dennoch: Es ist grausam. Auffaellig ist, dass es hauptsaechlich Jugendliche zwischen 16 und 20 sind, die da -meist mit zwei oder drei Kumpels im Gepaeck- am Strassenrand stehen und Musik machen. Diese -meist italienischen oder franzoesischen Halbpubertierten- machen das ehrlich gerne, das sieht man ihnen an. Teilweise sind sie auch gar nicht schlecht. Sie sind mit feuereifer dabei und sitzen friedlich am Strassenrand. Daran ist auch nichts auszusetzen.

Was allerdings Ursache des Grauens ist: Alle spielen sie “Wonderwall” von Oasis. Jeden Tag. Und alle spielen es, als gebe es kein Morgen (hier ein kleines Beispiel, allerdings aus Grafton St. in Dublin. Das Kaliber ist aehnlich).  Und alle haben diesen Blick drauf “hey, ich bin soooo froh und cool, dass ich hier mit meiner Glampfe stehen darf.”
Das ginge ja noch- goennen wir ihnen den Stolz. Allerdings sagt der Blick auch: “Ich bin so unique – Ihr habt alle auf Wonderwall gewartet!” Und genau das ist weit gefehlt und zeugt von wenig Wissen ueber die Strassenmusikszene in Dublin. Ich werde mir ein Shirt drucken auf dem sowas steht wie “Nothing sucks like Wonderwall” oder so.

Das Lied habe ich echt gemocht- und ja! Ich kann es auch auf Gitarre spielen. Allerdings werde ich es nie wieder hoeren. NIE WIEDER! Danke Ihr Gitarrenkinder! Versteht diesen Text ruhig als Appell: Lasst bei Euren Trips nach Irland die Gitarre zu Hause oder zumindest das Liederbuch mit den Oasis Songs. Ihr tut einen Dienst an der Menschheit- zumindest einen an den Iren. Nebenbei: Vielleicht ist Wonderwall ja der Grund fuer den extrem hohen Alkoholkonsum in den Pubs.

Go west.

Monday, May 5th, 2008

Feiertage in Irland liegen immer auf einem Montag. Zumindest werden sie auf diese Tage verlegt. Das hat den Vorteil, dass man immer ein langes Wochenende hat, wenn ein Feiertag ist. Da der erste Mai, wie in Deutschland auch, ein Feiertag ist, dieser aber nicht auf einem Montag gefallen ist, war somit der 5. Mai frei und in Irland ein “Bank Holiday Weekend”. Offensichtlich freuen sich Iren sehr über Feiertage, mehr noch als wir Deutschen. Jeder Radiosender hat ein spezielles Programm und ständig wird man darauf hingewiesen, wie toll es ist, am Montag nicht arbeiten zu müssen. Für viele Leute bedeutet ein solches Wochenende: Endlich mal raus aus Dublin. Auch für mich und Gabi, die zu Besuch war.

Bank Holiday Weekend

Wir sind in den Westen Irlands gefahren. Unsere erste Etappe führte von Dublin nach Ennis im County Clare und von dort weiter nach Lahinch. Hier gibt es einen wunderschönen Sandstrand, kaum Touristen und absolute Ruhe. Ein paar Surfer versuchten, Wellenreiten zu machen. Mit mäßigem Erfolg aber großem Beitrag zu unserer Erheiterung. Vielleicht sollte man denen mal sagen, dass Wellenreiten nur dann Sinn macht, wenn Wellen da sind. Auf dem Höhepunkt der Flut sah das in Lahinch allerdings sehr schlecht mit Wellen aus. Aber: Geduld hatten sie, das muss man neidlos anerkennen.

Abgründe und unterirdische Läden

Weiter gings zu den Cliffs of Moher. Als ich das erste mal 2001 dort war, konnte man noch auf dem Bauch an den Rand der Klippen robben und 200m senkrecht auf die Brandung blicken. 2005 ging das auch noch, heute leider nicht mehr. Aus Sicherheitsgründen muss man hinter einer Mauer bleiben und kann nur am Rande des öffentlichen Bereichs auf die naturbelassenen Klippen gehen. Dennoch, immer wieder eine beeindruckende Kulisse. Touristisch ist der Bereich auch völlig erschlossen: Bei meinem ersten Besuch gab es nur einen Schotterparkplatz. 2005 gab es schon ein Touristenzentrum und in diesem Jahr gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz und unterirdische Souvenirläden und ein neues Touristenzentrum, das ebenfalls in den Fels gebuddelt wurde. Immerhin verschandeln keine Häuser die Landschaft, es ist ja alles unter der Erde und mit Gras bedeckt.

Was Eis so alles macht

Die Gegend, die sich an die Cliffs of Moher anschließt, ist der Burren. Dies ist eine einmalige Mondlandschaft, bestehend aus Kalkstein, der während der letzten Eiszeit dort durch die Gletscher entstand. Man muss es einfach sehen- soweit das Auge reicht, gibt es nur Felsen und Felsplatten, über welche man spazieren kann. Einzigartig.

Unsere erste Übernachtung war in Galway, in einem B&B mit einer höchst unfreundlichen Besitzerin. Weder “Hallo” noch “Wie gehts” kamen aus ihrem Mund. Noch bevor wir das Haus betreten hatten, wurden wir schon höchst unfreundlich darauf hingewiesen, das Auto doch einen Meter weiter vorzufahren. Wir wurden kurz nach unserem Namen gefragt und wie lange wir gebucht hatten und in unser Zimmer verbannt. Immerhin hatte sie einen tollen Tipp für ein Fischrestaurant, welches wir am Abend besuchten. Selten so guten Fisch gegessen! Bis auf die Besitzerin, die am nächsten Morgen wenigstens einen kleinen Smalltalk startete über die Qualität das Essens und Sehenswürdigkeiten in Galway und Connemara, war das B&B aber sehr schön mit Blick auf die Galway Bay und einem großen, sauberen Zimmer.

Connemara

Der nächste Morgen war im Vergleich zum Vortag etwas regnerisch. Gegen Mittag wurde es aber trocken. Unsere Tour führte von Galway durch Connemara bis zum Killary Harbour und von dort über den Lough Nafooey und Clonbur nach Cong.

Connemara ist wohl so, wie jeder Irland erwartet: Seen, einsame Landschaften, grüne Wiesen und unmengen von Schafen. Auch wir sind in einer Schafherde gelandet und mussten warten, bis die Tiere die Straße verlassen hatten. Connemara Ponys gibt es hier auch und wer Ruhe will, ist hier genau richtig.

Am Killary Harbour, Irlands einzigem Fjord (diese Information ist offensichtlich sehr wichtig- sie steht in jedem Reiseführer, Prospekt und auf Schildern), saßen wir in einem netten kleinen Pub, welches von rheinlandpfälzischen Touristen bevölkert war, die uns am Tag vorher an den Cliffs of Moher schon über den Weg gelaufen waren. Die sind tatsächlich mit einem Bus aus Deutschland nach Irland gefahren. Freaks… In der Nähe von Clonbur habe ich 2005 schon einen Urlaub verbracht. Der Nachbarort Cong ist ein wunderschönes, verschlafenes Dorf. Hier entschieden wir uns, noch eine Übernachtung in Westirland zu machen und fuhren nach Westport, wo wir ein B&B direkt am Hafen fanden. Mit Blick aufs Meer und die Insel Clare war der Ausblick wirklich wunderschön.

Abende in Westport

Am Abend waren wir in einem Pub im Murrisk zum Essen und später in einer Bar in Westport mit Livemusik und Guiness sowie einer Gruppe Iren, die offensichtlich einen Junggesellenabschied feierten. Junggesellenabschiede sind in Irland voll im Trend. Der Bräutigam in spe lief in einem Superheldenkostüm- mit Kappe, Brille und Overall. Sehr witzig. Sein Gesangstalent allerdings war sehr ausgeprägt: Er gab Stand by Me zum besten und unterhielt den ganzen Laden prächtig.

Zurück in die Zivilisation

Am nächsten Morgen machten wir einen kleinen Abstecher durch Westport und fuhren von dort auf den Nationalstraßen weiter in Richtung Dublin. Unterwegs machten wir noch einen Spaziergangsstop in Bellanagare, wo man auf Feldwegen nur 80kmh fahren darf (siehe flickr).

Ein kleiner Zwischenstop am Lough Owel war der letzte Stop auf einer tollen Reise durch den Westen.