Tatütata! Bitte recht freundlich.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich zu der Masse von kleinen Jungs gehörte, die sich im Leben nichts besseres, keinen tolleren Job, nichts Aufregenderes vorstellen konnten, als Feuerwehrmann zu werden. Abenteuer erleben, Menschen helfen, selbstloser Held des Alltags sein. Und jetzt bin ich Informatiker. Bei uns brennts zwar auch manchmal, aber dennoch ist der Job verglichen mit wahren Helden mit Helmen doch unspektakulär. Dabei habe ich es immerhin schon einmal zum Brandschutzbeauftragten wider Willen bei meinem ehemaligen Arbeitgeber gebracht und hatte sogar eine Armbinde, auf der “Feuerwehr” stand. So gesehen sind die Menschen bei der echten Feuerwehr ja sowas wie Kollegen.

Allerdings habe ich manchmal den Eindruck, dass neben den unendlich sinnvollen Tätigkeiten der Feuerwehrmänner auch viel Sensationsgier und die Lust an “Unglücken” steht. So zum Beispiel im folgenden Fall: Die Feuerwehr meiner Heimatstadt bzw. Fans oder Angestellte derer betreiben eine private Internetseite, wiesbaden112.de. Ich bin schon öfter bei meinen Streifzügen durch Flickr darüber gestolpert und jedes Mal war ich doch etwas verwundert und entsetzt. Einerseits über die Bilder, die digitale Zeugen von teils schrecklichen Unfällen sind, andererseits über die Art und Weise, wie diese Bilder veröffentlicht werden. Eines der Fotos gab mir dann doch den Anlass zu diesem Artikel hier.

Da bemängeln die Autoren der Website doch allen Ernstes, dass sich Schaulustige bis hinter die Absperrung einer Autobahn begaben, um dem Unfall beizuwohnen. “Nicht einmal vor Sicherheitswänden auf der Gegenfahrbahn machten die Schaulustigen halt” steht als Bildunterschrift zu lesen. Die Ironie der Sache ist, dass diese Bildergalerie doch selbst nichts anderes tut. Im Gegenteil, sie verzichtet sogar auf die Hürde einer Sicherheitswand. Alle Bilder dieser Website erheben nicht den Anschein, in einem pädagogischen Zusammenhang gestellt zu sein oder in anderer Weise bildend auf den Besucher zu wirken. Es finden sich in dem Zusammenhang mit den Bildern keine Sicherheitshinweise oder “lessons learned” für den Besucher. Statt dessen ist die Bilderseite selbst doch nichts anderes, als eine Schaulustigenseite. Schlimmer finde ich hier sogar noch, dass die Bilder offensichtlich von Feuerwehrleuten selbst gemacht werden.

Natürlich, es werden keine Opfer gezeigt und auch sonst ist kein persönlicher Hintergrund zu den jeweiligen Beteiligten der Brände, Unfälle und Naturkatastrophen zu erfahren. Dennoch finde ich es sehr zweifelhaft, wenn über einen Unfall, an dem Freunde, Verwandte oder Bekannte evtl. sogar beteiligt waren, schlimmer noch, vielleicht ums Leben kamen, Bilder auf einer Website zur Verfügung gestellt werden und zwar von denen, deren Job am Ort des Geschehens doch eigentlich ein anderer ist. Das geht für meine Begriffe auch über das hinaus, was Medien darüber berichten. Denn im Detail ist das hier dargestellte wesentlich umfangreicher. Gab es nun wirklich schwer betroffene und verletzte Menschen oder sogar Todesfälle, ist das nicht nur geschmacklos sondern auch pietätlos den betroffenen Menschen gegenüber.

Ich würde es auch nicht wollen, dass Bilder eines Unfalls, an dem ich beteiligt war (als Opfer oder Verursacher spielt keine Rolle) im Internet veröffentlicht werden. Ob generell nach dem Einverständnis gefragt werden muss in solchen Fällen? Das weiß ich nicht, die Presse muss dies ja auch nicht. Allerdings handelt es sich hier nicht um Presse, sondern um Feuerwehrmänner, die ihr “Insiderwissen” dokumentieren und veröffentlichen. Das finde ich zweifelhaft, wenn nicht sogar hoch unseriös und verwerflich. Dass sich die redaktionelle Arbeit hier auf das Ereignis als solches und dessen Eckdaten mit Verletzten, Toten, Schäden etc. beschränkt, finde ich vom Niveau her vergleichbar mit dem, was Brisant und Hallo Deutschland uns im Vorabendprogramm des ARD und ZDF präsentieren: unterste Boulevardschublade mit Berichten über die neuesten Unfälle. Der öffentliche, vielleicht selbstlose Dienst eines Feuerwehrmanns an der Allgemeinheit bekommt hier einen mehr als fahlen Beigeschmack.

In Unternehmen wäre so etwas sogar ein Kündigungsgrund: Würde ich auf meiner Website veröffentlichen, wie meinen Kunden Missgeschicke passieren, hätte dies zwei Dinge zur Folge: Ich wäre meinen Job los und mein Arbeitgeber den Kunden.

Ich will in keiner Weise die Arbeit von Feuerwehr, Rettungsdiensten oder sonstigen Helfern kritisieren: Sie ist unbestritten wichtig und auf hohem Level, keine Frage. Aber als Hobbyjournalisten und -fotografen mit Schwerpunkt Unfälle und Katastrophen sollten sie sich nicht betätigen. Das ist nicht seriös.

Strahlende Aussichten.

Schwarz/gelb sind auch die Farben des “Vorsicht! Radioaktive Strahlung!”-Warnsymbols: Der Atomausstieg ist dann wohl Geschichte. Eine der wie ich finde großen Fortschritte Deutschlands der letzten 15 Jahre geht somit mal eben den Bach runter. Schlimm, wie große Energiekonzerne ihre Interessen in der Politik so einfach unterbringen können. Dem Lobbyismus sei Dank. Überraschend ist das nicht, wurde es doch angekündigt. Der Spiegel veröffentlichte bereits vor drei Wochen ein Strategiepapier, was ein wenig Aufschluss über die Interessen und PR der Energiewirtschaft gibt.

Am 14. Oktober lief auf ARTE eine spannende und erschreckende Reportage, die das Problem der Entsorgung radioaktiver Abfälle, der Risiken von Unfällen und der Verschwiegenheit der Regierungen beleuchtet. Der Bericht ist sieben Tage lang online einsehbar.