Jodpur, Mumbai, Goa

Hier ein letzter Grtuss aus Indien, bevor ich endlich(!!) naechste Woche Fotos ins Internet laden kann. Da sind wir nun: Am Strand von Goa. 35 Grad hier und ein sehr schwueles Klima. Was macht man? Am Strand liegen und sich die Sonne auf die Haut scheinen lassen. Genau das, was wir nach mehr als zwei Wochen Kulturtrip durch Rajasthan brauchen.

Unser letzter Stop in Rajasthan war Jodhpur: The blue City. Wir  wohnten in einem schoenen Haveli mit Blick auf das Fort, welches sich auf einem steilen Fels mitten in der Stadt erhebt. Am Fels leben wilde Geier, oben befinden sich die gigantischen Befestigungen und Wohngebaeude der ehemaligen Maharajas. Von dort hat man einen tollen Blick auf die Stadt. Das Fort selbst bietet ein beeindruckendes Museum, welches die Geschichte der Maharajas der Stadt zeigt. Jodphur selbst ist ein Gewirr aus vielen kleinen Gassen, in denen man sich ohne Probleme verlaufen kann.

Von Jodhpur aus flogen wir nach Mumbai. Hier hatten wir nur eine Nacht Aufenthalt, weil wir uns entschieden haben, mehr Zeit am Strand zu verbringen. Haben uns also eine Rikscha genommen und sind in den Sueden der Stadt gefahren um einen Eindruck zu bekommen, wie Mumbai so tickt. Kommen in jedem Fall wieder: Mumbai ist im Vergleich zu Delhi sehr westlich, viel schneller und viel groesser.  Die Skyline im Dunkeln ist gewaltig. Aber auch die Armut: Bereits aus dem Flugzeug kann man die Drehorte Juhu und Juhu Airport aus Slumdog Millionaire “bewundern”: Jede ehemals freie Flaeche am Flughafen ist nun mit Huetten bebaut. Unglaublich.

Unsere letzte Station ist Goa: Tourismus pur. Aber vielleicht genau das richtige Ambiente nach 2,5 Wochen Individualtourismus. Nur die russischen Touristen nerven. Egal: Strand, Strand, Strand. Und genau da gehe ich jetzt wieder hin! Cheers!

Ein Fort in der Wueste.

Ungefaehr 15 Stunden waren es, bis wir aus dem Zug stiegen und in Jaisalmer angekommen sind. Mitten in der Nacht, um 5:30h. Das erste Mal habe ich gefroren in Indien! Die Fahrt war zwar lange, aber doch sehr nett: Auf der ersten Etappe von Ajmer nach Jodhpur haben wir einen netten Inder kennengelernt, der als Berufssoldat arbeitet und gerade auf der Fahrt von Hyderabad nach Jodhpur zu seinem Dienst war.

Es war sehr spannend sich mit ihm zu unterhalten ueber Indien und unterschiedliche Braeuche und Werte. Im letzten Jahr heiratete seine Schwester. Fuer die hohe Mitgift musste er als Bruder viel Geld leihen, damit seine Schwester ueberhaupt in die Familie des Braeutigams einheiraten durfte. Dinge wie der Beruf des Vaters, die Erziehung von Kindern, Berufe und vieles mehr.

In Jodhpur gingen wir dann fuer einen kurzen Zwischenstop ins Mid Town Restaurant um vor unserer Uebernachtfahrt nach Jaisalmer ordentlich zu essen und uns auszuruhen. Im Abteil nach Jaisalmer war diesmal eine Familie aus Mumbai, die ihre Ferien in Jaisalmer verbringt und schon 18 Stunden im Zug sass. Waren sehr nette Menschen, waren auch schon in Deutschland.

Um 5 Uhr morgens kamen wir dann -reichlich zerknickt- in Jaisalmer an und wurden zu unserem Hotel gefahren. Die Zimmer waren noch nicht fertig. Somit sassen wir bis 9 Uhr auf der tollen Dachterasse mit Fortblick, bevor wir endlich einziehen konnten.

Jaisalmer liegt schon recht nahe an der Grenze zu Pakistan und ist wahrscheinlich der bisher schoenste Ort unserer Reise: Das Zentrum des Ortes liegt auf einem Plateau. Kleine Gassen, reich verzierte Haeuser aus Sandstein und alles umrahmt von einer dicken Fortmauer, die vor Angriffen schuetzen soll. Der Maharajapalast ist ein tolles Relikt aus alten Zeiten und gibt einen tollen Eindruck, wie das Leben hier in der Wueste jenseits von Strom und Leitungswasser einmal war. Spaziergaenge durch diese Wuestenstadt sind wirklich sehr schoen.

Gestern nun waren wir den Tag ueber in der Wueste und sind auf Kamelen zum Sonnenuntergang geritten. War eine tolle Erfahrung. Es ist hier nicht wie in der Sahara; keine Sandduenenmeere sondern eher trockene Steppe mit einzelnen Sandduenen, vertrockneten Baeumen und Bueschen. Vielleicht macht aber genau das die Dramatik dieser Landschaft aus. Der Blick auf die Natur, die absolute Ruhe jenseits von anderen Touristen im Licht der Abendsonne ist wirklich atemberaubend und hat etwas sehr meditatives.

Auf dem Rueckweg machte ich dann noch koerperliche Bekanntschaft mit einem indischen Polizisten. Mitten in der Wueste, mitten auf einer Piste, mitten in der Dunkelheit wollte unseren Jeep auf einmal ein anderes Auto ueberholen. Das tat es dann auch (die Strassen sind ca. 2,5m breit und es ist schon sehr abenteuerlich, ueberhaupt im Dunkeln hier zu fahren) und es stellte sich heraus, dass es die Polizei war, die uns dann gleich auch anhielt.

So korrupt die indischen Polizisten sein moegen: einen Sinn fuer respekteinfloessendes Auftreten haben sie allemal. Aus dem Jeep sprangen 5 Polizisten, 2 mit Bambusschlaegern bewaffnet und ich dachte schon: Jetzt kriegt hier einer eins drauf. Nur gut, dass ich groesser bin als alle anderen. Naja, sie fingen mit unserem Fahrer an, wild zu diskutieren. Wir standen etwa 10 Minuten in vollkommener Dunkelheit mitten in der Wueste und warteten auf das Ergebnis der Verhandlungen.

Das kam dann auch und als Ergebnis kuschelte sich ein Polizist an mich, der den restlichgen Weg zu unserem Hotel auf meinem heiligen Beifahrersitz sass, waehrend ich mich irgendwo im Nirvana zwischen Fahrer und Beifahrer befand. Mein Ruecken dankt es mir. Am Ende war wohl das Problem, dass unserem recht neuen Jeep irgendeine Plakette fehlte, die er fuer den Besuch in der Wueste dringend benoetigte.

Heute Mittag geht unser Zug nach Jodhpur, unserer letzten Etappe in Rajasthan. Vier Tage Jaisalmer sind sicher genug, aber es war eine schoene Zeit.

Bewohner der Staedte.

Was ich noch erzaehlen wollte: Man ist hier nie allein. Das bezieht sich auf die vielen Menschen, denen man immer und ueberall begegnet, aber auch auf andere freilaufende Bewohner, die es hier so gibt:

Hunde. Liegen ueberall, tagsueber im Schatten. Erwachen meist nachts zum Leben (gerade heute Nacht gab es wieder intensive Hundekaempfe).

Kuehe. Das heilige Tier steht ueberall. In kleinsten Gassen, auf dicht befahrenen Strassen, allein oder in der Herde.

Schweine. Meist da, wo es den dreckigsten Muell gibt. Hausschweine und Borstenschweine.

Katzen. Wenige, aber es scheinen die saubersten Tiere zu sein. Habe noch keine im Dreck oder Muell wuehlen sehen.

Affen. Viele Arten gibt es. Je nach Ort. Grosse oder kleine. Immer lustig anzusehen, wenn sie ueber  die Daecher turnen.

Streifenhoernchen. Putzige Parasiten. Wuseln ueber Wiesen und Baeume, recht zutraulich.

Ratten. In Bahnhoefen gibts viele dicke Ratten. Wuseln auch mal eben auf dem Boden dicht an einem vorbei. Eklig.

Voegel. Meist sind es Tauben. Es gibt aber auch schoene Voegel hier, Art unbekannt.

Pferde. Meist an Pferdewagen. Ab und an stehen aber auch Pferde mitten in der Stadt und suchen Futter.

Ochsen. Die “Nutzkuehe” ziehen Wagen oder kuehlen sich meist in Fluessen oder Wasserstellen in der Stadt.

Ziegen. Wie Kuehe: Leben auf der Strasse. Offensichtlich wird die Milch gesammelt fuer Kaese.

Schafe. Wenige, aber ab und an gibt es welche.

Da kann eine Taxifahrt schon mal ein kleiner Slalomlauf werden.

Holy Fake (Lake).

Seit gestern sind wir in Pushkar. Wir haben wieder Glueck gehabt mit unserem Hotel und im Inn Seventh Heaven untegekommen. Tolle Atmosphaere,  lecker Restaurant und schoene Zimmer.

Pushkar selbst ist eine heilige Hindustadt mit ihrem heiligen See, der mehrere Baeder hat, die nach einigen Hindu-Goettern benannt sind. Wir haben uns also eine vertraeumte kleine 12000 Einwohnerstadt vorgestellt mit vielen Glaeubigen, mystischer Ruhe und einem See, in welchem die Glaeubigen Baden. Alles in allem also freuten wir uns auf einen spirituellen Zwischenstop am Rande der Wueste.

Nach einer 3 Stunden Zugfahrt von Jaipur nach Ajmer ging es mit dem Taxi ins 12 km weiter gelegene Pushkar (nebenbei: der Taxifahrer hielt zwischendurch bei einem Kumpel, der mal eben 10 Rupien Touristensteuer abzweigen wollte. Wieder musste der Tourist sprechen und wir sind ohne diesen Quatsch zu bezahlen am Hotel angekommen).

Das mit den 12000 Einwohnern stimmt, Glaeubige gibt es auch (jede Menge sogar). Aber von dem mystischen Ort, der es bestimmt mal war, ist nicht viel uebrig geblieben. Abgesehen davon, dass der See nichtexistent -weil ausgetrocknet- ist und wohl im kommenden Jahr auch nicht wiederkommt (die Regenzeit ist ja gerade vorbei), gibt es hier jede Menge Hippies, Neu-Hippies, Alt-Hippies und welche, die sich dafuer halten. Komisch ist, dass immer die weissen Europaeer diejenigen sind, die in der Oeffentlichkeit meditieren muessen, indische Klamotten tragen muessen, einen auf glaeubig machen muessen, waehrend der authentische Hindu das offensichtlich eher im Privaten tut. Naja, man zeigt halt gerne, wie und wer man ist. Dazu ist der gesamte Ort genau auf die kommerziellen Hippiebeduerfnisse eingestellt: Batikklamotten, Batiktaschen, Batiktuecher und vieles andere mehr fuer den spirituellen Bedarf kann hier erworben werden. Das Shoppingparadies fuer den Dreadlocktraeger.

Rund um den See gibt es die Ghats, die Baeder, in welchen die Hindus Baden. Wasser vorausgesetzt. An diesen Baedern wartet die bisher aufdringlichste Touristenabzocke: Man soll einen Pushkar-Ausweis kaufen in Form eines roten Bandes. Glueck, Suendenvergebung blabla. Man kriegt Bluetenblaetter in die Hand und darf diese ins Wasser werfen und wird danach zur Zahlung aufgefordert. Wir wussten dies vorher und liessen somit den Gang in die Ghats bleiben (abgesehen davon, dass hier 200 Tauben die Treppen ununterbrochen zukacken und man ja bekanntlich barfuss in Hindustaetten unterwegs sein muss). Wie gesagt, der See ist trocken, bis auf eine einzige kuenstlich am Leben gehaltene Stelle. Somit sammeln sich dort offenslichtlich alle Passverkaeufer von den restlichen Badestellen und versuchen, Kohle zu machen (hier ist das fehlende Seewasser die eigentliche Krise fuer die Tout-Branche). Und das hoechst aggressiv. Soviel zum Thema: Heilige Stadt. Alles in allem: Um Pushkar kann man getrost einen Bogen machen. Kommerzieller Mist, durch die Hippies hier wirkts aber fast schon komisch. Es ist die bisher dreckigste und stinkende Stadt; in Rajasthan sind die Abwasser-, Wasser- und Stromversorgung eben sehr Mangelhaft. Zum Glueck haben wir ein tolles Hotel, ein paar nette Mitbringsel konnten wir auch kaufen. Spirituellen Zauber sucht man hier aber wirklich vergebens. Holy fake statt holy lake.

Morgen gehts in einer Moerderzugfahrt ueber Jodhpur nach Jaisalmer in die Wueste. Freuen uns schon!