Archive for the ‘Irland’ Category

Sweinstaigör.

Friday, June 20th, 2008

Deutschland ist im Halbfinale. Und das ist auch gut so. Man ist hier- trotz der Teilnahme fast aller in Irland lebenden Minderheiten (ausgenommen China) – recht alleine, wenn es um die EM geht. Dennoch scheinen die Iren sich zu freuen, wenn Deutschland gewinnt. Wenn man nach einem Spiel im schwarzrotgoldenen Trikot das Pub verlässt, wird man immer von freundlichen Iren nach dem Ergebnis gefragt und die Daumen gehen sofort nach oben und werden mit einem “well done” zum Ausdruck der irischen Fussballbegeisterung.

Mein Chef, der eher auf Tennis steht und alle Wimbeldonsieger seit 20 Jahren aufsagen kann, kennt nur einen deutschen Spieler und niemand spricht dessen Namen so schön aus, wie er das tut: Sweinstaigör ist sein Favorit und als ich ihm erzählte, dass der auch noch ein Tor geschossen hat im gestrigen Viertelfinale, war er doch recht amused.

Wer wissen will, wie Deutsche hier so im Pub feiern, der klicke sich durch meine Bilder. Die sind gestern Abend im Sinnott’s entstanden, unserem WM-Pub. Superviele Deutsche da. Fast wie im Stadion. Zu erwähnen ist auch: Noch ist uns auch der Support meiner anwesenden italienischen Kollegen sicher. Noch…. Joe, aus England, ist sehr für Deutschland. Kein Wunder, seine Landsleute haben sich ja nicht mal qualifiziert. Vielleicht ist er auch nur wegen seiner deutschen Freundin ein wenig “fremdpatriotisch”. Cheers.

Über das Verlieren.

Wednesday, June 11th, 2008

Irland und England sind ja nicht für die Euro 2008 qualifiziert. Somit fallen zwei wichtige Anschau-Motivatoren der Iren weg. Für das erste Spiel (Deutschland gegen Polen) war das aber nicht so wichtig. Die polnische Community stellt hier nach den Iren und Chinesen die wachsende drittgrößte Bevölkerungsschicht da. Kein Wunder also, dass man sich beim Betreten des Pubs vor dem Spiel eher wie in Warschau fühlte als in Dublin: Fast alle Besucher waren in rot-weiß gekleidet, Fahnen schwenkend und jubelnd. Interessant ist, dass Polen -wenn es um das Reservieren von Tischen geht- deutscher sind, als die Deutschen: Sie sind noch früher da und blockieren alle Tische. Wir Deutschen machen das ja nur mit Handtüchern im Urlaub.

20 Minuten vor dem Spiel tauchten auch immer mehr Deutsche auf, das Pub war in zwei Hälften geteilt. Im Osten Polen, im Westen Deutschland (naja, zumindest links und rechts. Die Himmelsrichtungen lassen sich nicht mehr überprüfen).  Das Ergebnis ist hinreichend bekannt: das Spiel ging 2:0 für Deutschland aus und die Polen erwiesen sich als sehr gute Verlierer. Enttäuscht zwar, aber immerhin musste ich in meinem Deutschlandtrikot keine Angst um mein Leben haben, als ich die nächste Runde Bier an einer Bar voller polnischer Extrem-Fans bestellte.

Anders die Italiener, mit welchen ich die 3:0 Blamage gegen Holland in einem anderen Pub schaute. Solche entsetzten Gesichter habe ich beim Fussball noch nicht gesehen. Nicht einmal, als Deutschland im Halbfinale 2006 gegen Italien verlor. Offensichtlich ist eine 3:0 Niederlage (eine verdiente, wohlgemerkt!) in etwa so schlimm, wie wenn in Sizilien ein Vulkan ausbricht. Es gleicht einer nationalen Katastrophe. Meine armen Kollegen- sie haben gestern noch furchtbar gelitten.

Morgen ist das nächste Spiel der Deutschen und ich werde das Büro früher verlassen, um es mir gepflegt anzuschauen. Hoffentlich lachen wir danach auch noch!

Forget Mittelmeer.

Tuesday, June 3rd, 2008

Während Deutschland unter 30° leidet, gestaltet sich das Klima hier doch wesentlich angenehmer. Zarte 20°, Sonne satt und Meer machen das Mittelmeer vollkommen überflüssig. Zugegeben: Baden würde ich in der Irish Sea noch nicht, dazu ist es schlicht zu kalt. Dennoch steht ausgedehnten Strandrumliegereien nichts im Wege. Meinen ersten (richtigen) Sonnenbrand unter der Sonne Irelands habe ich nun auch hinter mir.

Barbecues im Garten sind mittlerweile auch Standard. Das schöne daran ist, dass man immer wieder Menschen aus aller Herren Länder kennenlernt. Das letzte am Samstagabend brachte Iren, Spanier, Equadorianer und mich als Deutschen zusammen. War sehr spannend.

Meine Eltern sind gerade noch zu Besuch- sie waren ja schonmal hier, auch wenn das schon einige Jahre her ist. Gestern haben wir einen ausgedehnten Spaziergang in Dalkey gemacht. Dieser noble Vorort im Süden Dublins ist echt eine schöne Adresse zum Spazierengehen am Strand. Eine Villa neben der anderen (Bono von U2 wohnt hier auch) schmückt das Ufer und bei Sonnenschein fühlt man sich eher wie in Marbella als in Irland.

Am Abend waren wir in einem netten kleinen französischen Restaurant in Sandycove an der Südküste Dublins. Sehr leckeres Essen, nur zu empfehlen!

In zwei Wochen kommt die Invasion aus Deutschland: Wird sicher sehr lustig.

Das schoenste Lied der Welt.

Tuesday, May 13th, 2008

Mein Weg zur Arbeit fuehrt jeden Tag durch das Viertel “Temple Bar”, welches in jedem Reisefuehrer als die Partymeile Dublins beschrieben wird. Gelogen ist das auch nicht, nur ein wenig falsch ausgedrueckt. Gefeiert wird dort sehr wohl, aber Dubliner verirren sich aeusserst selten hierher. Also sind dort die Touristen, die dann denken, dass sie wahnsinnig irisch gefeiert haben. Den Reisefuehrern sei Dank. Sei’s drum.

Morgens ist die Strasse durch Temple Bar voll von LKW, die Bierfaesser und Flaschen bringen. Jeden Tag. Unmengen. Abends wird sie auch immer wieder von Strassenkuenstlern bevoelkert. Musiker, Maler, Menschen, die sich fuer Puppen halten, ein Mann, der Hunde aus Sand formt und alles moegliche andere. Auffaellig oft gibt es Gitarrenspieler. Ich bin selbst Musiker, stehe haeufig auf der Buehne und kann mich total begeistern fuer die die unterschiedlichsten Arten von Musik. Dennoch: Es ist grausam. Auffaellig ist, dass es hauptsaechlich Jugendliche zwischen 16 und 20 sind, die da -meist mit zwei oder drei Kumpels im Gepaeck- am Strassenrand stehen und Musik machen. Diese -meist italienischen oder franzoesischen Halbpubertierten- machen das ehrlich gerne, das sieht man ihnen an. Teilweise sind sie auch gar nicht schlecht. Sie sind mit feuereifer dabei und sitzen friedlich am Strassenrand. Daran ist auch nichts auszusetzen.

Was allerdings Ursache des Grauens ist: Alle spielen sie “Wonderwall” von Oasis. Jeden Tag. Und alle spielen es, als gebe es kein Morgen (hier ein kleines Beispiel, allerdings aus Grafton St. in Dublin. Das Kaliber ist aehnlich).  Und alle haben diesen Blick drauf “hey, ich bin soooo froh und cool, dass ich hier mit meiner Glampfe stehen darf.”
Das ginge ja noch- goennen wir ihnen den Stolz. Allerdings sagt der Blick auch: “Ich bin so unique – Ihr habt alle auf Wonderwall gewartet!” Und genau das ist weit gefehlt und zeugt von wenig Wissen ueber die Strassenmusikszene in Dublin. Ich werde mir ein Shirt drucken auf dem sowas steht wie “Nothing sucks like Wonderwall” oder so.

Das Lied habe ich echt gemocht- und ja! Ich kann es auch auf Gitarre spielen. Allerdings werde ich es nie wieder hoeren. NIE WIEDER! Danke Ihr Gitarrenkinder! Versteht diesen Text ruhig als Appell: Lasst bei Euren Trips nach Irland die Gitarre zu Hause oder zumindest das Liederbuch mit den Oasis Songs. Ihr tut einen Dienst an der Menschheit- zumindest einen an den Iren. Nebenbei: Vielleicht ist Wonderwall ja der Grund fuer den extrem hohen Alkoholkonsum in den Pubs.

Go west.

Monday, May 5th, 2008

Feiertage in Irland liegen immer auf einem Montag. Zumindest werden sie auf diese Tage verlegt. Das hat den Vorteil, dass man immer ein langes Wochenende hat, wenn ein Feiertag ist. Da der erste Mai, wie in Deutschland auch, ein Feiertag ist, dieser aber nicht auf einem Montag gefallen ist, war somit der 5. Mai frei und in Irland ein “Bank Holiday Weekend”. Offensichtlich freuen sich Iren sehr über Feiertage, mehr noch als wir Deutschen. Jeder Radiosender hat ein spezielles Programm und ständig wird man darauf hingewiesen, wie toll es ist, am Montag nicht arbeiten zu müssen. Für viele Leute bedeutet ein solches Wochenende: Endlich mal raus aus Dublin. Auch für mich und Gabi, die zu Besuch war.

Bank Holiday Weekend

Wir sind in den Westen Irlands gefahren. Unsere erste Etappe führte von Dublin nach Ennis im County Clare und von dort weiter nach Lahinch. Hier gibt es einen wunderschönen Sandstrand, kaum Touristen und absolute Ruhe. Ein paar Surfer versuchten, Wellenreiten zu machen. Mit mäßigem Erfolg aber großem Beitrag zu unserer Erheiterung. Vielleicht sollte man denen mal sagen, dass Wellenreiten nur dann Sinn macht, wenn Wellen da sind. Auf dem Höhepunkt der Flut sah das in Lahinch allerdings sehr schlecht mit Wellen aus. Aber: Geduld hatten sie, das muss man neidlos anerkennen.

Abgründe und unterirdische Läden

Weiter gings zu den Cliffs of Moher. Als ich das erste mal 2001 dort war, konnte man noch auf dem Bauch an den Rand der Klippen robben und 200m senkrecht auf die Brandung blicken. 2005 ging das auch noch, heute leider nicht mehr. Aus Sicherheitsgründen muss man hinter einer Mauer bleiben und kann nur am Rande des öffentlichen Bereichs auf die naturbelassenen Klippen gehen. Dennoch, immer wieder eine beeindruckende Kulisse. Touristisch ist der Bereich auch völlig erschlossen: Bei meinem ersten Besuch gab es nur einen Schotterparkplatz. 2005 gab es schon ein Touristenzentrum und in diesem Jahr gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz und unterirdische Souvenirläden und ein neues Touristenzentrum, das ebenfalls in den Fels gebuddelt wurde. Immerhin verschandeln keine Häuser die Landschaft, es ist ja alles unter der Erde und mit Gras bedeckt.

Was Eis so alles macht

Die Gegend, die sich an die Cliffs of Moher anschließt, ist der Burren. Dies ist eine einmalige Mondlandschaft, bestehend aus Kalkstein, der während der letzten Eiszeit dort durch die Gletscher entstand. Man muss es einfach sehen- soweit das Auge reicht, gibt es nur Felsen und Felsplatten, über welche man spazieren kann. Einzigartig.

Unsere erste Übernachtung war in Galway, in einem B&B mit einer höchst unfreundlichen Besitzerin. Weder “Hallo” noch “Wie gehts” kamen aus ihrem Mund. Noch bevor wir das Haus betreten hatten, wurden wir schon höchst unfreundlich darauf hingewiesen, das Auto doch einen Meter weiter vorzufahren. Wir wurden kurz nach unserem Namen gefragt und wie lange wir gebucht hatten und in unser Zimmer verbannt. Immerhin hatte sie einen tollen Tipp für ein Fischrestaurant, welches wir am Abend besuchten. Selten so guten Fisch gegessen! Bis auf die Besitzerin, die am nächsten Morgen wenigstens einen kleinen Smalltalk startete über die Qualität das Essens und Sehenswürdigkeiten in Galway und Connemara, war das B&B aber sehr schön mit Blick auf die Galway Bay und einem großen, sauberen Zimmer.

Connemara

Der nächste Morgen war im Vergleich zum Vortag etwas regnerisch. Gegen Mittag wurde es aber trocken. Unsere Tour führte von Galway durch Connemara bis zum Killary Harbour und von dort über den Lough Nafooey und Clonbur nach Cong.

Connemara ist wohl so, wie jeder Irland erwartet: Seen, einsame Landschaften, grüne Wiesen und unmengen von Schafen. Auch wir sind in einer Schafherde gelandet und mussten warten, bis die Tiere die Straße verlassen hatten. Connemara Ponys gibt es hier auch und wer Ruhe will, ist hier genau richtig.

Am Killary Harbour, Irlands einzigem Fjord (diese Information ist offensichtlich sehr wichtig- sie steht in jedem Reiseführer, Prospekt und auf Schildern), saßen wir in einem netten kleinen Pub, welches von rheinlandpfälzischen Touristen bevölkert war, die uns am Tag vorher an den Cliffs of Moher schon über den Weg gelaufen waren. Die sind tatsächlich mit einem Bus aus Deutschland nach Irland gefahren. Freaks… In der Nähe von Clonbur habe ich 2005 schon einen Urlaub verbracht. Der Nachbarort Cong ist ein wunderschönes, verschlafenes Dorf. Hier entschieden wir uns, noch eine Übernachtung in Westirland zu machen und fuhren nach Westport, wo wir ein B&B direkt am Hafen fanden. Mit Blick aufs Meer und die Insel Clare war der Ausblick wirklich wunderschön.

Abende in Westport

Am Abend waren wir in einem Pub im Murrisk zum Essen und später in einer Bar in Westport mit Livemusik und Guiness sowie einer Gruppe Iren, die offensichtlich einen Junggesellenabschied feierten. Junggesellenabschiede sind in Irland voll im Trend. Der Bräutigam in spe lief in einem Superheldenkostüm- mit Kappe, Brille und Overall. Sehr witzig. Sein Gesangstalent allerdings war sehr ausgeprägt: Er gab Stand by Me zum besten und unterhielt den ganzen Laden prächtig.

Zurück in die Zivilisation

Am nächsten Morgen machten wir einen kleinen Abstecher durch Westport und fuhren von dort auf den Nationalstraßen weiter in Richtung Dublin. Unterwegs machten wir noch einen Spaziergangsstop in Bellanagare, wo man auf Feldwegen nur 80kmh fahren darf (siehe flickr).

Ein kleiner Zwischenstop am Lough Owel war der letzte Stop auf einer tollen Reise durch den Westen.