Archive for the ‘Ireland’ Category

We’ll call you back.

Sunday, July 6th, 2008

Irland ist das Geburtsland der Billigfliegerei. Zumindest in Europa. Kein Wunder: Ryanair ist eine irische Airline, deren Chef es schon in jungen Jahren gelernt hat, die Preise in seinen Kiosken der Nachfrage anzupassen: Damals verkaufte er Batterien für geplagte Eltern an Weihnachten viel teurer als an sonstigen Tagen, weil diese die kleinen Energieträger zur Beruhigung ihrer Kinder benötigten, die ja nun mit neuen batteriegetriebenen Spielsachen beschenkt wurden. Heute verkauft er Flüge nach dem gleichen Prinzip- und das sehr erfolgreich.

Billiger Staat

Im Zuge der Verbilligung blieb der staatlichen Airline “Aer Lingus” nichts anderes übrig, als ihre Preise nach unten zu korrigieren, genau wie den Service auch: Hier kosten Gepäck, Zeitung und Getränke nun auch extra. 8 Euro bezahlt  man für einen Koffer. Solange dieser ankommt, ist auch alles in bester Ordnung.

Leider hat genau das letzte Woche nicht geklappt. Der 20:00h Aer Linugs Flug aus Frankfurt hatte über eine Stunde verspätung, weshalb ich das Halbfinale Spanien – Russland komplett im Empfangsbereich des Dubliner Flughafens schauen konnte. Eine interessante Erfahrung: Der einzige konstante Punkt in diesen über 90 Minuten war ich- alle anderen Teilnehmer dieses Public Viewings waren nur temporäre  Gäste, die alle 2-5 Minuten wechselten.

Mehr als nur ein kleiner Fehler

Nach Schlusspfiff war die Maschine dann auch endlich gelandet, aber Gabi ließ lange auf sich warten. Warum, stellte sich nach 45 Minuten heraus. Ihr Koffer war nicht mitgekommen.

Es stellte sich heraus, dass sie keinen Baggage Tag auf ihrem Ticket hatte. Offensichtlich hatte eine mehr oder weniger unfähige Check-In Mitarbeiterin in Frankfurt vergessen, einen Aufkleber an ihren Koffergriff zu kleben. Eine Kleinigkeit, die große Auswirkungen hat und neben viel Geld auch viele viele Nerven kostet. Dummerweise enthielt die Tasche auch keinerlei Identitätshinweis. Aer Lingus, machtlos und verständnisvoll, ließ Gabi ein Formular ausfüllen und verwies auf einem ausgehändigten Vordruck auf eine Hotline, welche man ab dem nächsten Nachmittag anrufen könne.

Um 23:30h ging es dann in die Stadt – mit einem höchst unguten Gefühl im Bauch.

Hilf dir selbst

Der nächste Morgen kam schnell und ich rief bei der netten Hotline der Aer Lingus an – 25 Cent pro Minute. Man bekommt sein Gepäck verloren und zahlt für jede der 8 Minuten in der Warteschlange 25 Cent Gebühren, nur um dann von einem Mitarbeiter zu erfahren, dass die Tasche noch nicht da ist und Aer Lingus auch keinerlei Ahnung hat, wo sich diese aufhält: “We apologise and call you back.” Böse Tasche. Einfach so zu verschwinden; ich hatte eigentlich immer den Eindruck, dass sie sich ganz wohlfühlt.

Zum Glück war Gabis Flug ja kein Transferflug, sie stieg auf dem langen Weg durch Europa nicht um. Somit blieb nur eine Möglichkeit: Ist die Tasche nicht in Irland, wird sie wohl in Frankfurt sein.

Also: Griff zum Telefon. Die Mitarbeiter in Frankfurt stellten sich ab diesem Moment leider als höchst unfähig heraus. Bei meinem ersten Anruf fragte ich, ob eine Tasche wissentlich liegengeblieben wäre vom vorabendlichen Flug der Aer Lingus. Ich wurde höchst unfreundlich abgewiesen, “wissen Sie, wie viele Taschen liegen bleiben; das weiß ich doch jetzt nicht”. Eine Stunde später rief ich nochmal an, um eine Beschreibung der Tasche durchzugeben. Es war die gleiche Frau am Telefon, wie zuvor. Komischerweise war sie sofort in der Lage, innerhalb von 20 Sekunden festzustellen, dass tatsächlich eine passende Tasche liegen geblieben war. Die Freude war groß, wir arrangierten, dass die Tasche mit dem nächsten Flug nach Irland geschickt werden solle. Perfekt eingefädelt, ohne Aer Lingus.

Wie gewonnen, so zerronnen

Wer sich fragt, was man ohne Tasche macht, bekommt nun eine Antwort: Shoppen. Gabi hatte ja nun keinerlei Kleidung, wenigstens befand sich ein großer Teil ihres Kulturbeutels bei mir in Irland. Wir verbrachten also den Vormittag des Freitags in der Stadt, da wir abends Karten für Riverdance im Gaity Theatre in Dublin hatten und man dort schlecht mit Jeans und Turnschuhen auftauchen kann. Die Abendgaderobe lag ja immernoch schluchzend in Gabis Tasche.

Am Nachmittag rief mich die Dame der Fraport noch einmal zurück und bestätigte mir mit Freude, dass die Tasche auf den Flug gebucht werde und ich einen Anruf bekäme am nächsten Morgen, damit sie uns  zugestellt werden könne.

Der Samstagmorgen begann mit ungeuldigem Warten auf einen Anruf der Aer Lingus; schließlich war der Flug ja nun schon seit über 12 Stunden gelandet. Um 12 Uhr griff ich erneut zum Handy  und rief die 25 Cent Nummer an. Das Ergebnis war erstaunlich: “Ja, die Tasche sollte auf den Flug gehen. Aber hier kam keine an. We’ll call you back.” Frust. Anruf in Frankfurt: Ja, “ich hab hier einen grünen Punkt auf dem Bildschirm. Die Tasche hat Frankfurt gestern Abend verlassen”. Unglaublich: Offensichtlich hatte sie jemand aus dem Flugzeug geworfen. Anders kann ichs mir nicht erklären.

Den Samstag verbrachten wir in Greystones, eine süße kleine Stadt südlich von Dublin. Man fährt mit der Bahn direkt am Meer entlang, angeblich eine der schönsten Zugstrecken in Europa (Info für Bahnenthusiasten).

Ein unerwarter Rückruf

Auf dem Rückweg nach Dublin rief ich erneut bei meiner Lieblingshotline an und beschwerte mich, diesmal ein wenig bestimmter. Mein Gesprächspartner schien mich auch zu verstehen und sagte “ja, ist ärgerlich, wenn einem etwas versprochen wird, was nicht gehalten wird, bla bla, ich rufe mal in Frankfurt an … I’ll call you back.” Genau. Er ruft zurück- wie alle anderen. Also: Wieder shoppen, Sachen für den nächsten Tag. Bis mein Handy klingelte: Der Mitarbeiter vom letzten Gespräch war dran. Am liebsten hätte ich es jedem Passanten in der Fußgängerzone gesagt, in der ich mich befand: “Aer Lingus ist dran! Aer Lingus ist dran! Unglaublich, sie haben doch noch einen Funken Anstand!”

Er sagte dann: “Good news, Frankfurt hat bestätigt, dass die Tasche noch dort ist, sie geht heute Abend raus. Ich bestätige das nochmal und rufe nochmal zurück.” Dass er nie zurückrief, bleibt hier nicht unerwähnt. Aber immerhin: Frankfurt hat die Tasche.

Hurra?

Dennoch: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Viel besser in diesem Fall. Offensichtlich sprechen Frankfurt und Dublin nämlich unterschiedliche Sprachen am Telefon. Um sicher zu gehen, dass die Frankfurter Mitarbeiter diesmal wirklich ihrer Arbeit nach gehen und die Tasche verschicken, rief ich erneut in Frankfurt an.

“Wie: Irland sagt, die Tasche wäre noch hier? Sie ist nicht hier! Das haben wir denen auch am Telefon gesagt!” Ist das zu fassen? Am liebsten wäre ich durch die Leitung gesprungen und hätte die ganze Abteilung unter einem Haufen Koffer begraben. Das Aer Lingus Call Centre hatte schon geschlossen, es war also nichts zu machen, außer selbst in Dublin am Flughafen nachzuschauen, ob die Tasche da ist. Wir also in den Bus gestiegen und zum Flughafen, die Räume der Aer Lingus mit verlorenem Gepäck sind aber wirklich so klein, dass man dort keine Tasche übersehen kann. Offensichtlich war die Tasche also tatsächlich nicht in Dublin und die Schuldigen an der Misere saßen in Frankfurt.

Ruhiger Sonntag

Der Sonntag war dann einfach nur ruhig: Ich wollte einfach nicht nochmal mit den beiden Parteien telefonieren und mich im Kreis drehen, sondern einfach nur abwarten, was passiert. Unglaublich, wie man irgendwann resigniert bei so viel Service.

Am Montag klingelte mittags um eins tatsächlich mein Handy! Aer Lingus war dran! “Very good news, ihre Tasche ist heute morgen in Dublin angekommen! Sie wird heute oder morgen noch ausgeliefert.” Danke Frankfurt! Wahrscheinlich habt Ihr Euch riesig für Gabi ins Zeug gelegt und die ganze Gepäckhalle des Flughafens durchsucht nach der Tasche und ein Freudenfest ihr zu Ehren abgehalten, nachdem sie gefunden wurde.

Am Montagabend, 24 Stunden vor Gabis Abflug nach Deutschland, kam dann endlich die Tasche an.

Kosten der Aktion: 176324 Nerven, gefühlte 2 Jahre Lebenszeit, 30 Euro Telefonkosten, ca. 5 Stunden Zeit, plus alle Klamottenkosten. Danke, Fraport, für das nicht Aufkleben eines Baggage Tags und das erneute Verlieren der Tasche einen Tag später. Nicht schlecht: an zwei Tagen ein und dieselbe Tasche zweimal zu verlieren.

Sweinstaigör.

Friday, June 20th, 2008

Deutschland ist im Halbfinale. Und das ist auch gut so. Man ist hier- trotz der Teilnahme fast aller in Irland lebenden Minderheiten (ausgenommen China) – recht alleine, wenn es um die EM geht. Dennoch scheinen die Iren sich zu freuen, wenn Deutschland gewinnt. Wenn man nach einem Spiel im schwarzrotgoldenen Trikot das Pub verlässt, wird man immer von freundlichen Iren nach dem Ergebnis gefragt und die Daumen gehen sofort nach oben und werden mit einem “well done” zum Ausdruck der irischen Fussballbegeisterung.

Mein Chef, der eher auf Tennis steht und alle Wimbeldonsieger seit 20 Jahren aufsagen kann, kennt nur einen deutschen Spieler und niemand spricht dessen Namen so schön aus, wie er das tut: Sweinstaigör ist sein Favorit und als ich ihm erzählte, dass der auch noch ein Tor geschossen hat im gestrigen Viertelfinale, war er doch recht amused.

Wer wissen will, wie Deutsche hier so im Pub feiern, der klicke sich durch meine Bilder. Die sind gestern Abend im Sinnott’s entstanden, unserem WM-Pub. Superviele Deutsche da. Fast wie im Stadion. Zu erwähnen ist auch: Noch ist uns auch der Support meiner anwesenden italienischen Kollegen sicher. Noch…. Joe, aus England, ist sehr für Deutschland. Kein Wunder, seine Landsleute haben sich ja nicht mal qualifiziert. Vielleicht ist er auch nur wegen seiner deutschen Freundin ein wenig “fremdpatriotisch”. Cheers.

Über das Verlieren.

Wednesday, June 11th, 2008

Irland und England sind ja nicht für die Euro 2008 qualifiziert. Somit fallen zwei wichtige Anschau-Motivatoren der Iren weg. Für das erste Spiel (Deutschland gegen Polen) war das aber nicht so wichtig. Die polnische Community stellt hier nach den Iren und Chinesen die wachsende drittgrößte Bevölkerungsschicht da. Kein Wunder also, dass man sich beim Betreten des Pubs vor dem Spiel eher wie in Warschau fühlte als in Dublin: Fast alle Besucher waren in rot-weiß gekleidet, Fahnen schwenkend und jubelnd. Interessant ist, dass Polen -wenn es um das Reservieren von Tischen geht- deutscher sind, als die Deutschen: Sie sind noch früher da und blockieren alle Tische. Wir Deutschen machen das ja nur mit Handtüchern im Urlaub.

20 Minuten vor dem Spiel tauchten auch immer mehr Deutsche auf, das Pub war in zwei Hälften geteilt. Im Osten Polen, im Westen Deutschland (naja, zumindest links und rechts. Die Himmelsrichtungen lassen sich nicht mehr überprüfen).  Das Ergebnis ist hinreichend bekannt: das Spiel ging 2:0 für Deutschland aus und die Polen erwiesen sich als sehr gute Verlierer. Enttäuscht zwar, aber immerhin musste ich in meinem Deutschlandtrikot keine Angst um mein Leben haben, als ich die nächste Runde Bier an einer Bar voller polnischer Extrem-Fans bestellte.

Anders die Italiener, mit welchen ich die 3:0 Blamage gegen Holland in einem anderen Pub schaute. Solche entsetzten Gesichter habe ich beim Fussball noch nicht gesehen. Nicht einmal, als Deutschland im Halbfinale 2006 gegen Italien verlor. Offensichtlich ist eine 3:0 Niederlage (eine verdiente, wohlgemerkt!) in etwa so schlimm, wie wenn in Sizilien ein Vulkan ausbricht. Es gleicht einer nationalen Katastrophe. Meine armen Kollegen- sie haben gestern noch furchtbar gelitten.

Morgen ist das nächste Spiel der Deutschen und ich werde das Büro früher verlassen, um es mir gepflegt anzuschauen. Hoffentlich lachen wir danach auch noch!

Forget Mittelmeer.

Tuesday, June 3rd, 2008

Während Deutschland unter 30° leidet, gestaltet sich das Klima hier doch wesentlich angenehmer. Zarte 20°, Sonne satt und Meer machen das Mittelmeer vollkommen überflüssig. Zugegeben: Baden würde ich in der Irish Sea noch nicht, dazu ist es schlicht zu kalt. Dennoch steht ausgedehnten Strandrumliegereien nichts im Wege. Meinen ersten (richtigen) Sonnenbrand unter der Sonne Irelands habe ich nun auch hinter mir.

Barbecues im Garten sind mittlerweile auch Standard. Das schöne daran ist, dass man immer wieder Menschen aus aller Herren Länder kennenlernt. Das letzte am Samstagabend brachte Iren, Spanier, Equadorianer und mich als Deutschen zusammen. War sehr spannend.

Meine Eltern sind gerade noch zu Besuch- sie waren ja schonmal hier, auch wenn das schon einige Jahre her ist. Gestern haben wir einen ausgedehnten Spaziergang in Dalkey gemacht. Dieser noble Vorort im Süden Dublins ist echt eine schöne Adresse zum Spazierengehen am Strand. Eine Villa neben der anderen (Bono von U2 wohnt hier auch) schmückt das Ufer und bei Sonnenschein fühlt man sich eher wie in Marbella als in Irland.

Am Abend waren wir in einem netten kleinen französischen Restaurant in Sandycove an der Südküste Dublins. Sehr leckeres Essen, nur zu empfehlen!

In zwei Wochen kommt die Invasion aus Deutschland: Wird sicher sehr lustig.

Das schoenste Lied der Welt.

Tuesday, May 13th, 2008

Mein Weg zur Arbeit fuehrt jeden Tag durch das Viertel “Temple Bar”, welches in jedem Reisefuehrer als die Partymeile Dublins beschrieben wird. Gelogen ist das auch nicht, nur ein wenig falsch ausgedrueckt. Gefeiert wird dort sehr wohl, aber Dubliner verirren sich aeusserst selten hierher. Also sind dort die Touristen, die dann denken, dass sie wahnsinnig irisch gefeiert haben. Den Reisefuehrern sei Dank. Sei’s drum.

Morgens ist die Strasse durch Temple Bar voll von LKW, die Bierfaesser und Flaschen bringen. Jeden Tag. Unmengen. Abends wird sie auch immer wieder von Strassenkuenstlern bevoelkert. Musiker, Maler, Menschen, die sich fuer Puppen halten, ein Mann, der Hunde aus Sand formt und alles moegliche andere. Auffaellig oft gibt es Gitarrenspieler. Ich bin selbst Musiker, stehe haeufig auf der Buehne und kann mich total begeistern fuer die die unterschiedlichsten Arten von Musik. Dennoch: Es ist grausam. Auffaellig ist, dass es hauptsaechlich Jugendliche zwischen 16 und 20 sind, die da -meist mit zwei oder drei Kumpels im Gepaeck- am Strassenrand stehen und Musik machen. Diese -meist italienischen oder franzoesischen Halbpubertierten- machen das ehrlich gerne, das sieht man ihnen an. Teilweise sind sie auch gar nicht schlecht. Sie sind mit feuereifer dabei und sitzen friedlich am Strassenrand. Daran ist auch nichts auszusetzen.

Was allerdings Ursache des Grauens ist: Alle spielen sie “Wonderwall” von Oasis. Jeden Tag. Und alle spielen es, als gebe es kein Morgen (hier ein kleines Beispiel, allerdings aus Grafton St. in Dublin. Das Kaliber ist aehnlich).  Und alle haben diesen Blick drauf “hey, ich bin soooo froh und cool, dass ich hier mit meiner Glampfe stehen darf.”
Das ginge ja noch- goennen wir ihnen den Stolz. Allerdings sagt der Blick auch: “Ich bin so unique – Ihr habt alle auf Wonderwall gewartet!” Und genau das ist weit gefehlt und zeugt von wenig Wissen ueber die Strassenmusikszene in Dublin. Ich werde mir ein Shirt drucken auf dem sowas steht wie “Nothing sucks like Wonderwall” oder so.

Das Lied habe ich echt gemocht- und ja! Ich kann es auch auf Gitarre spielen. Allerdings werde ich es nie wieder hoeren. NIE WIEDER! Danke Ihr Gitarrenkinder! Versteht diesen Text ruhig als Appell: Lasst bei Euren Trips nach Irland die Gitarre zu Hause oder zumindest das Liederbuch mit den Oasis Songs. Ihr tut einen Dienst an der Menschheit- zumindest einen an den Iren. Nebenbei: Vielleicht ist Wonderwall ja der Grund fuer den extrem hohen Alkoholkonsum in den Pubs.