Archive for the ‘Ireland’ Category

Go west.

Monday, May 5th, 2008

Feiertage in Irland liegen immer auf einem Montag. Zumindest werden sie auf diese Tage verlegt. Das hat den Vorteil, dass man immer ein langes Wochenende hat, wenn ein Feiertag ist. Da der erste Mai, wie in Deutschland auch, ein Feiertag ist, dieser aber nicht auf einem Montag gefallen ist, war somit der 5. Mai frei und in Irland ein “Bank Holiday Weekend”. Offensichtlich freuen sich Iren sehr über Feiertage, mehr noch als wir Deutschen. Jeder Radiosender hat ein spezielles Programm und ständig wird man darauf hingewiesen, wie toll es ist, am Montag nicht arbeiten zu müssen. Für viele Leute bedeutet ein solches Wochenende: Endlich mal raus aus Dublin. Auch für mich und Gabi, die zu Besuch war.

Bank Holiday Weekend

Wir sind in den Westen Irlands gefahren. Unsere erste Etappe führte von Dublin nach Ennis im County Clare und von dort weiter nach Lahinch. Hier gibt es einen wunderschönen Sandstrand, kaum Touristen und absolute Ruhe. Ein paar Surfer versuchten, Wellenreiten zu machen. Mit mäßigem Erfolg aber großem Beitrag zu unserer Erheiterung. Vielleicht sollte man denen mal sagen, dass Wellenreiten nur dann Sinn macht, wenn Wellen da sind. Auf dem Höhepunkt der Flut sah das in Lahinch allerdings sehr schlecht mit Wellen aus. Aber: Geduld hatten sie, das muss man neidlos anerkennen.

Abgründe und unterirdische Läden

Weiter gings zu den Cliffs of Moher. Als ich das erste mal 2001 dort war, konnte man noch auf dem Bauch an den Rand der Klippen robben und 200m senkrecht auf die Brandung blicken. 2005 ging das auch noch, heute leider nicht mehr. Aus Sicherheitsgründen muss man hinter einer Mauer bleiben und kann nur am Rande des öffentlichen Bereichs auf die naturbelassenen Klippen gehen. Dennoch, immer wieder eine beeindruckende Kulisse. Touristisch ist der Bereich auch völlig erschlossen: Bei meinem ersten Besuch gab es nur einen Schotterparkplatz. 2005 gab es schon ein Touristenzentrum und in diesem Jahr gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz und unterirdische Souvenirläden und ein neues Touristenzentrum, das ebenfalls in den Fels gebuddelt wurde. Immerhin verschandeln keine Häuser die Landschaft, es ist ja alles unter der Erde und mit Gras bedeckt.

Was Eis so alles macht

Die Gegend, die sich an die Cliffs of Moher anschließt, ist der Burren. Dies ist eine einmalige Mondlandschaft, bestehend aus Kalkstein, der während der letzten Eiszeit dort durch die Gletscher entstand. Man muss es einfach sehen- soweit das Auge reicht, gibt es nur Felsen und Felsplatten, über welche man spazieren kann. Einzigartig.

Unsere erste Übernachtung war in Galway, in einem B&B mit einer höchst unfreundlichen Besitzerin. Weder “Hallo” noch “Wie gehts” kamen aus ihrem Mund. Noch bevor wir das Haus betreten hatten, wurden wir schon höchst unfreundlich darauf hingewiesen, das Auto doch einen Meter weiter vorzufahren. Wir wurden kurz nach unserem Namen gefragt und wie lange wir gebucht hatten und in unser Zimmer verbannt. Immerhin hatte sie einen tollen Tipp für ein Fischrestaurant, welches wir am Abend besuchten. Selten so guten Fisch gegessen! Bis auf die Besitzerin, die am nächsten Morgen wenigstens einen kleinen Smalltalk startete über die Qualität das Essens und Sehenswürdigkeiten in Galway und Connemara, war das B&B aber sehr schön mit Blick auf die Galway Bay und einem großen, sauberen Zimmer.

Connemara

Der nächste Morgen war im Vergleich zum Vortag etwas regnerisch. Gegen Mittag wurde es aber trocken. Unsere Tour führte von Galway durch Connemara bis zum Killary Harbour und von dort über den Lough Nafooey und Clonbur nach Cong.

Connemara ist wohl so, wie jeder Irland erwartet: Seen, einsame Landschaften, grüne Wiesen und unmengen von Schafen. Auch wir sind in einer Schafherde gelandet und mussten warten, bis die Tiere die Straße verlassen hatten. Connemara Ponys gibt es hier auch und wer Ruhe will, ist hier genau richtig.

Am Killary Harbour, Irlands einzigem Fjord (diese Information ist offensichtlich sehr wichtig- sie steht in jedem Reiseführer, Prospekt und auf Schildern), saßen wir in einem netten kleinen Pub, welches von rheinlandpfälzischen Touristen bevölkert war, die uns am Tag vorher an den Cliffs of Moher schon über den Weg gelaufen waren. Die sind tatsächlich mit einem Bus aus Deutschland nach Irland gefahren. Freaks… In der Nähe von Clonbur habe ich 2005 schon einen Urlaub verbracht. Der Nachbarort Cong ist ein wunderschönes, verschlafenes Dorf. Hier entschieden wir uns, noch eine Übernachtung in Westirland zu machen und fuhren nach Westport, wo wir ein B&B direkt am Hafen fanden. Mit Blick aufs Meer und die Insel Clare war der Ausblick wirklich wunderschön.

Abende in Westport

Am Abend waren wir in einem Pub im Murrisk zum Essen und später in einer Bar in Westport mit Livemusik und Guiness sowie einer Gruppe Iren, die offensichtlich einen Junggesellenabschied feierten. Junggesellenabschiede sind in Irland voll im Trend. Der Bräutigam in spe lief in einem Superheldenkostüm- mit Kappe, Brille und Overall. Sehr witzig. Sein Gesangstalent allerdings war sehr ausgeprägt: Er gab Stand by Me zum besten und unterhielt den ganzen Laden prächtig.

Zurück in die Zivilisation

Am nächsten Morgen machten wir einen kleinen Abstecher durch Westport und fuhren von dort auf den Nationalstraßen weiter in Richtung Dublin. Unterwegs machten wir noch einen Spaziergangsstop in Bellanagare, wo man auf Feldwegen nur 80kmh fahren darf (siehe flickr).

Ein kleiner Zwischenstop am Lough Owel war der letzte Stop auf einer tollen Reise durch den Westen.

Trim City Limits.

Saturday, April 19th, 2008

Seit heute kenne ich auch das Gefühl, am Arsch der Welt gestrandet zu sein. Letze Woche beschlossen Christoph und ich, am Wochenende einen kleinen Trip nach Trim zu machen. Dort sollte es ein Castle geben, ein altes Kloster und ein wenig Kleinkram zum Anschauen. Das versprach der Reiseführer. Uns schlossen sich dann noch Miriam und Steffi an und heute früh sind wir dann mit einem Überlandbus nach Trim aufgebrochen. Eine Stunde lang dauerte die Fahrt über Stock und Stein, bis wir endlich in Trim ankamen. Durch einen unerklärlichen Bedarf, den Bus zu verlassen, lernten wir auch noch die 1000m Landstraße vor Trim kennen und marschierten in Richtung des Castles.

Das Castle ist eines der größten seiner Art und war in einigen Szenen Kulisse für den Film Braveheart. Im großen und ganzen ist es eigentlich nur noch eine Ruine mit einem künstlichen Dach darüber: Dennoch, die Führung durch das Gebäude war sehr interessant. Trim hat offensichtlich eine grausame Geschichte hinter sich- sie galt als eine der Hauptstädte der Hinrichtungen in Irland. Hier wurden die Leute des öfteren gehängt.

Nach der Besichtigung des Castles ist aber auch schon Schluss mit Sightseeing: Es gibt schlicht nichts anderes anzuschauen. Auch die Suche nach einem netten Pub mit nettem Pubfood gestaltete sich als aussichtslos- bis auf einen “Altherrengedeckservierer” fanden wir nichts, so dass wir im ortsansässigen Burgerladen auf den Bus warteten, der uns nach Dublin zurück fahren sollte. Die Bushaltestelle befindet sich übrigens auch nicht im Ort selbst, sonden außerhalb an einer Straße, die am Ort vorbeiführt. Offensichtlich ist es also nicht so wichtig, nach Trim zu gelangen.

Alles in allem: Ein netter kleiner Trip, aber nie wieder mit dem Bus. Fotos wie immer bei flickr.

Vorurteile.

Tuesday, April 15th, 2008

In Irland fängt der Frühling an. Seit etwa zwei Wochen hat es nun so gut wie nicht geregnet, es ist wunderschöner blauer Himmel und die Sonne strahlt den ganzen Tag. Kurzum: Das Wetter ist hier um Längen besser als das in Deutschland. Gestern habe ich das erste Guinness unter freiem Himmel auf der Dachterrasse von Daniel genießen können. Siehe Bild 1 und Bild 2.

Ich laufe nun auch öfters zur Arbeit- das ist angenehmer, als sich Backe an Backe in die Straßenbahn zu quetschen. Außerdem ist es nicht unbedingt viel langsamer: Es macht vielleicht fünf Minuten aus. Das Verkehrsdebakel hier ist echt ein großes Problem. Auf der Seite Transport 21 ist zu lesen, dass hier in den nächsten Jahren eine U-Bahn gebaut werden soll. Das wird einiges bewirken.

Einen Kneipentip habe ich heute auch noch, für alle die mich bald besuchen kommen: Die Dice Bar in Smithfield. Dieses nette Pub gehört einem der Fun Loving Criminals und ist zwar ein wenig düster, aber doch gemütlich und vor allem voller guter Musik. Dazu gehört noch die Voodoo Lounge eine Straße weiter- dort gibt es jede Menge live Musik (Ruck/Punk). Dort war ich allerdings noch nicht.

So viel heute von mir: Bis bald! Cheers.

Über das “über die Strasse gehen”

Friday, April 4th, 2008

Entschuldigt, dass ich keine Umlaute benutze. Ich muss aber leider an einer Tastatur arbeiten, mit der man nicht richtig Deutsch schreiben kann. “Ziemlich ignorant” – koennte man meinen. Was machen nur die ganzen Iren, die Deutsch lernen?

Heute moechte ich einen kurzen Ausflug in die Strassenverkehrsordnung der Iren machen. Keine Angst, er wird nicht lang, denn es hat den Anschein, als gaebe es ueberhaupt keine derartige typisch deutsche Sache. Verkehr in Grossstaedten ist ja immer fuer einen Aussenstehenden schwer zu durchschauen. Alles wirkt wie ein riesiges Netz ineinander verflochtener Strassen und Gassen. Wer durch Frankfurt faehrt, erlebt das in der gleichen Art, wie ein Urlauber in Paris oder London.

Dennoch -und ich entschuldige mich schon jetzt aufrichtig bei allen Iren- haben es alle anderen Staedte besser drauf, ihren Verkehr zu leiten und “alles im Fluss” zu halten. Hier ist diese Kompetenz leider nicht sehr ausgepraegt. Das existierende Bussystem ist ziemlich unberechenbar (wer in Griechenland schon mal gefahren ist, wird sich hier sofort wohl fuehlen), die Strassenbahn besteht aus zwei nicht miteinander verbundenen Linien. Die S-Bahn faehrt nur in Nordsued-Richtung.

Dublin hat also ein Verkehrsproblem von dem niemand profitiert, ausser den Taxifahrern, welche hier sehr gutes Geld verdienen. Das liegt schlicht daran, dass es -besonders in der Nacht- keine Alternative gibt, als mit dem Taxi nach Hause zu fahren. Es bleibt keine andere Wahl. Zum Glueck sind die Taxen hier aber sehr guesnstig.

Ein besonderes Highlight sind die Fussgaengerampeln. Es gibt in ganz Dublin genau eine fussgaengerfreundliche Ampel, naemlich die zwischen St. Stephen’s Green und dem gleichnamigen Shoppingcentre. An dieser Ampeln fuehlt man sich koeniglich behandelt: Die Ampelphase fuer Fussgaenger ist ca. viermal laenger als die der Autos. Allerdings: Wir sind in Irland. Das ganze koennte also ein Versehen sein. Denn an allen anderen Ampeln ist es umgekehrt. Wer stehen bleibt und auf gruen wartet, ist hoffnungslos verloren. Es dauert Minuten. Noch dazu ist man schlicht ein Verkehrshindernis, denn Iren scheren sich nicht um rote Fussgaengerampeln. Man wird also ein “traffic fighter” und rennt in guter Kamikaze-Manier bei jeder Luecke ueber die Strasse oder man verbringt sein Praktikum an der Ampel.

Aber auch die Schaltung der Auto-Ampeln ist recht ungewoehnlich bis sinnlos. Die Ampel ist ewig gruen, kein Auto kommt. Die Ampel wird rot und der Verkehr rollt an und muss stehen bleiben. Von sinnvoller Ampelschaltung also keine Spur. Besonders bemerkenswert in dieser Hinsicht war ein BMW-Verkaeufer, mit welchem wir eine Testfahrt unternahmen letzte Woche. Wir erzaehlten ihm von der “Gruenen Welle” in Deutschland. Fuer uns eine Selbstverstaendlichkeit, nicht an jeder roten Ampel stehen zu muessen. Der Mann war ehrlich aus dem Haeuschen und nannte die Erfindung “genial! Sollten wir in Irland auch machen! Das ist ja mal ne tolle Sache. Super! Das hilft ja total! Wahnsinn!” Er kriegte sich foermlich nicht mehr ein.

Sollte also einer meiner Leser das Patent auf die gruene Welle besitzen: Die Iren sind dankbare Lizenznehmer.

A walk in the Park.

Sunday, March 30th, 2008

In Dublin gibt es den -angeblich- größten europäischen innerstädtischen Park, den Phoenix Park. Mein Glück ist, dass dieser Park quasi mein Garten ist, denn er ist keine zehn Minuten zu Fuß von meiner Haustür entfernt. Heute morgen war das Wetter so schön, dass ich einen ausgedehnten Spaziergang durch den Park gemacht habe.

Dort befinden sich einige wichtige Sehenswürdigkeiten von Dublin. Der Sitz der irischen Präsidentin, die amerikanische Botschaft, das Wellington Monument und ein Kreuz, das an der Stelle steht, an der Papst Johannes Paul II. irgendwann in den 70ern vor Millionen von Menschen sprach.

Der Park ist riesig und man denkt, dass man sich weit außerhalb der Stadt befindet. Man sieht keine Mauern, keine Häuser drumherum, dafür aber Rehe und Hirsche, die wild in diesem Park leben.

Neben den wilden Tieren gibt es aber auch einige, denen das Glück der Freiheit nicht zu Teil wurde und welche eingesperrt in Gehegen leben müssen: Die Bewohner des Dublin Zoo. Er ist einer der ältesten der Welt und kostet selbst für Studenten 12 Euro Eintritt. Und: Die ist er nicht wert. Dagegen ist der Frankfurter Zoo viel schöner und ansprechender. Das einzige Highlight ist ein Elefantenbaby, das kürzlich auf die Welt kam und für welches nun ein Name gesucht wird.

Ich habe einige Bilder im Park gemacht, welche Ihr auf meinem flickr-Account bewundern könnt.