Preistransparenz in Parkhäusern

Die Stadt Grasse in der Provence hat eine interessante Preisstrategie für ihre Parkhäuser. Dass ein Parkhaus in der ersten halben Stunde kostenfrei ist und danach jede weitere Stunde einen bestimmten Betrag kostet, wäre für Deutschland auch nicht ungewöhnlich. Dass aber haarklein jede Parkdauer einen individuellen Preis ausgewiesen bekommt, ist tatsächlich außergewöhnlich:

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Allerdings gelten die individuellen Preise je Parkdauer nur tagsüber. Abends kostet einfach alles nur 2 EUR ab einer Stunde. Volle Punktzahl für den Preistransparenzpreis. Nur in der Kommunikation gegenüber den ist das doch etwas schwierig.

Das wirft doch einige Fragen, Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge auf:

  1. Warum hat man nicht einfach die rechte Hälfte des Schilds gespart und dort “2 EUR ab der ersten Stunde” geschrieben?
  2. Scheinbar darf man bei einem Parkbeginn ab 19 Uhr auch länger als 12 Stunden parken; zum einheitlichen Preis von 2 EUR. Vor 19 Uhr wohl nicht. Was passiert denn, wenn ich mein Auto um 17 Uhr parke und es erst morgens um 6 Uhr hole? Bekomme ich es dann nie wieder?
  3. Was kostet es denn, wenn ich um 17 Uhr einfahre und um 20 Uhr wieder fahren will?
  4. Warum ist ausgerechnet die Zeit zwischen 4h45 und 5h mit 0,10 EUR um 50% billiger als die Viertelstunden davor und danach?
  5. Die Preisliste ist ab 1. Juli 2015 gültig, das Parkhaus aber deutlich älter. Gibt es bei jeder Preisänderung ein neues Schild? Wenn also Punkt 4 dieser Liste ein Fehler ist und behoben werden soll: Wird dann ein komplett neues Schild gedruckt?
  6. Wenn ich um 18:59 Uhr einparke und um 19:59 Uhr fahre: Kostet mich das Parken dann 1,90EUR oder 2,00EUR?
  7. Wenn ich um 18:15 Uhr einparke und um 19:45 Uhr fahre: Ist das Parken dann kostenlos, weil ich zwei Dreiviertelstunden kostenlos parken darf?
  8. Wen interessieren eigentlich Abstufungen von 0,10 EUR?
  9. Gibt es vor der Schranke eine extralange Wartespur, weil Kunden länger brauchen, das Schild zu lesen und zu erfassen?

 

Short trip to London.

All is well and getting weller. I just returned from a short trip to London. Was good fun! Have a look at the pictures below. Really interesting are the walking tours with Insider London: We did the Underground Tour. These guys really do have a deep knowledge of this low part of the city.

You may want to check out a small video I shot on the tour:


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Eine Insel vor der Tür.

Manchmal hat man echt Glück, an Orte zu gelangen, die einem sonst verborgen bleiben. Und dabei liegen sie manchmal direkt vor der Tür! So auch bei diesem Besuch: Eine befreundete Autorin arbeitet an einem Buchprojekt und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr zusammen auf die Mariannenaue zu fahren. Dort sollte ich Fotos für ihr Buch machen.

Die Mariannenaue ist eine Insel im Rhein: Etwa 4km lang liegt sie vor Eltville-Erbach mitten im Fluss. Knapp 200m trennen die Insel vom sicheren Rheinufer. Und doch ist sie weit weg: Um hier auf Entdeckertour zu gehen, bedarf es diversester Genehmigungen und Anfragen. Etwa vier Monate dauerte die Vorbereitung unserer Überfahrt.

Was uns erwartete war mehr als nur ein toller Ausflug in eine nahe Oase. Auf der Mariannenaue gelangt man an einen Ort, an dem man eine Weile bleiben möchte. Erbach im Blick ist man doch so weit von der Zivilisation entfernt, dass man sofort nach Verlassen des Schiffs ein Inselgefühl entwickelt, welches einen zum Verweilen einlädt.

Was die Insel ausmacht und warum sie etwas wirklich besonderes ist, gibt es bald in einem Buch zu lesen, das ich hier bestimmt empfehlen werde.

Bis dahin gibt es die eine oder andere Impression von der Mariannenaue, wie immer in meinen Bildern bei Picasa.

 

Stratford-upon-Avon.

Last week we headed to Stratford-upon-Avon. This lovely little town is birthplace of the most famous English playwright Shakespeare. And that’s why we went there: Every year in April – in the time around his birthday – there’s a festival giving fantastic productions of Shakespeare’s plays. In both theatres you will have stunning actors, great stage settings and much fun. Along the festival there is a lot going on in town: Bands are playing, actors are speaking, a parade is taking place heading from Shakespeare’s birthplace to the church where he is buried.

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If you have enough of all that cultural stuff you might visit the Cotswolds which is the area Southern Stratford. That’s what we did: You find lovely villages such as Broadway, Stanton or Stanley which are all built from the same kind of stone. Therefore all buildings look like honey-coloured fairy-tale-houses. Really nice to stroll through these old quiet villages.

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Wanna see some pictures? Feel free to visit my Picasa account.

Superlative Reissäcke.

Wir waren gerade in China – eine tolle Reise in ein spannendes Land. Hier gibt es ein Paar Gedanken von mir zu unserem Trip. Viel Spaß beim Lesen! Wer nur Bilder will, wird hier fündig.

Dass die Chinesen eigentlich alles erfunden haben und für sämtlichen Fortschritt der Welt verantwortlich sind, ist zumindest in der chinesischen Meinung und Weltanschauung so fest verankert, dass sie keine Gelegenheit ausnutzen, diese vermeintliche Tatsache ihren rückständigen europäischen Besuchern unter die Nase zu reiben. Manchmal kommt man nicht einmal dazu, Einspruch erhebend den Zeigefinger zu heben und Luft zum Widerspruch zu holen, da kommt schon die nächste Errungenschaft: Das weltgrößte Irgendwas, die höchste Sonstwie und überhaupt alles Superlative befindet sich in China. Und um noch richtig den Finger in die Wunde zu legen, kommt im Folgenden auch immer noch ein: “Und wo gibt es das zweitgrößte Dings?” als rhetorische Frage. Sofort rattert das europäische Gehirn auf der Suche nach dem zweitgrößten Platz, Gebäude, Reisfeld – nur, um dem überbrodelndem Selbstbewusstsein der Chinesen etwas entgegenzusetzen. Die Ernüchterung folgt auf den Punkt. “In China.” Das ist die Antwort der Chinesen – man hat nicht nur das weltgrößte Dings, sondern auch das zweitgrößte. So sind sie.

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Vieles ist aber auch wirklich superlativ. Eigentlich fast alles – zumindest im Vergleich mit europäischen Maßstäben. Sei es die chinesische Mauer, die Terrakotta Armee oder der für eine einzelne Familie etwas zu groß geratene Verbotenen Stadt mitten in Peking. Die Sehenswürdigkeiten zeugen von einer sehr spannenden Kultur – diese steht wegen des unvorstellbaren Wachstums in China aber oft auf einer dünnen Linie zwischen der Welt im 21. Jahrhundert und der traditionellen Lebensweise der Chinesen. An allen Ecken merkt man dies – sei es mitten in Shanghai, wo alte Wohnviertel ohne jede sanitäre Versorgung an teure Glaspaläste grenzen oder in Xian, wo horden von chineischen Besuchern mit Blitzlichtgewitter eine buddhistische Messe begleiten. Während viele der touristisch interessanten Orte liebevoll herausgeputzt und sauber gehalten werden, gibt es an anderen Orten genau dies nicht – viele Schätze sind am Lauf des Yangzi unwiederbringlich vernichtet worden, 1,3 Million Menschen wurden umgesiedelt und die hübschen Dörfer, die man unterhalb des Drei-Schluchten-Damms sieht, mussten weichen für höher gelegene Plattenbauten.

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Und da zeigt sich das Dilemma das Fortschritts: Wir kennen uns in Deutschland auch mit Betonbauten aus. Plattenbauten gibt es nicht nur im Osten – auch in meiner Heimatstadt Wiesbaden gibt es Viertel mit diesen hässlichen Häusern, die man am liebsten direkt sprengen möchte. Nur: In China entstehen nicht einzelne Wohnviertel sondern ganze riesige Stadtteile, die von Betoncharme geprägt sind. Man kann nur staunen, wenn man in Chongqing steht und um einen herum 20 Kräne gerade vollkommen identische 20-stöckige Hochhäuser hochziehen. Hier wohnen Hunderttausende oder Millionen Menschen in Wohnsilos, die bei uns spätestens seit den 80er Jahren als antiquiert, hässlich und nicht nachhaltig gelten. Bleibt zu hoffen, dass die Chinesen nicht den gleichen geschmacklichen Wandel vollziehen wie wir Europäer: Am Ende bliebe ihnen vermutlich nur der Abriss und Neubau ganzer Städte. Das an allen Ecken und Enden sichtbare Wachstum steht in China also auf Beton. Eine Stadt wie Shanghai ist umgeben von einem ganzen Gürtel dieser Häuser.

Bekanntermaßen werden die Innenstädte von Shanghai und Beijing geplättet und deren alte Bausubstanz ersetzt durch moderne Häuser. Lässt man den Kritikpunkt der Menschenvertreibung außer acht, ist dies sogar durchaus zu verstehen: Die alten Wohngebiete verfügen über eine brüchige Substanz, Gemeinschaftstoiletten an den Straßenecken und wenig Perspektive für Besserung. Dass eine Stadt mitten im Zentrum eine andere Entwicklung möchte, kann man durchaus verstehen. Die Chinesen beteuern zwar, dass alle Bewohner einen adäquaten Ersatz in einer der Betonbunker bekommen, aber wenn man kritische Berichte liest, wird immer deutlich, dass sich korrupte Beamte sowohl bei der Umsiedelung der Menschen aus dem Jangzi-Tal als auch bei der Räumung der Butongs in Beijing eine volle Tasche verdienen. Solange dies so ist, ist das Vorgehen der Regierung hinsichtlich der Umsiedlung tausender Menschen im Namen des Fortschritts wirklich schwer zu rechtfertigen. Auf der Strecke bleibt mit dem Abriss auch die alte chinesische Identität – wenn dies so weitergeht, wird China Town in New York in Zukunft mehr chinesisches Flair haben als die Straßenzüge im Herzen der Hauptstadt Chinas.

Und wie geht der Chinese damit um? Das ist schwer zu sagen. Unsere Reiseleiter waren sicherlich treue Parteimitglieder. Dennoch – der Wille nach Fortschritt ist überall zu spüren. Im Fernsehen laufen Werbespots für Kloschüsseln in denen europäisch gekleidete Chinesinnen mit voller Leidenschaft auf dem Boden knien und die Schüssel aus ganzem Herzen umarmen. An jeder Ecke finden sich europäische Konzerne und platzieren Werbung für Autos, in Einkaufszentren gibt es riesige Verkaufsräume für Wohnungen in Shanghai. Alles in allem findet hier gerade ein riesiger Aufschwung statt – das ist überall zu merken. Dennoch sieht man auch, wie dieser entwickelte Teil Chinas regional auf den Osten des Landes beschränkt ist. 30km vor Shanghai sind immernoch die Reisbauern auf ihren Feldern damit beschäftigt, Wasserbüffel die Felder pflügen zu lassen, die Autobahnraststätten haben zwar moderne Toiletten, aber keinen Wasseranschluss und überhaupt wirkt das gesamte chinesische Leben außerhalb der Millionenstädte sehr beschaulich. Kein Wunder: 70% aller Chinesen sind immernoch Bauern.

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Es gibt viele Parallelen zur Nachkriegsentwicklung in Europa. Nur hier scheint es mit dreifacher Geschwindigkeit abzulaufen und unter einem Regime, dass weder Widerstand duldet noch den geringsten Einspruch gegen diese Entwicklung gelten lassen möchte. Der Drei-Schluchten Damm zeigt dies auf beeindruckende Art und Weise: Hier hat sich das Land oder mehr noch deren Herrscher ein Denkmal gesetzt und mit der Bezwingung des Yangzi einen Erfolg errungen, von dem Mao seiner Zeit schon geträumt hatte. Allen Bedenken und Umweltproblemen zum Trotz wurde hier ein Exempel statuiert, um die Größe der Nation für alle Zeiten zu manifestieren.

Wuchtig ist er, der Damm. Schön nicht. Dennoch ist es ein beeindruckendes Meisterwerk der Baukunst und obwohl im Vorfeld des Baus die westliche Kritik groß und die europäischen und amerikanischen Geldgeber nahezu alle abgesprungen waren, wollen viele Westler nun ihr Scheibchen abhaben und Geld an ihm verdienen. Thyssen-Krupp baut gerade ein riesiges Schiffshebewerk am Damm. Sicher ein lukrativer Auftrag. Angeblich erreichen die Turbinen des Damms aber nie ihre volle Last – die Schlammmengen des Yangzi sind zu massig und auch der Strom, der ja bis nach Shanghai fließen soll, ist teurer als der von den Kohlekraftwerken, weshalb die Laune in Shanghai bzgl. des “grünen” Stroms vom Fluss recht gedämpft ist – Shanghai muss extra zahlen. Von den Drei Schluchten ist auch nur noch eine geblieben, die sich unterhalb des Damms befindet. Die beiden anderen sind auch schön, haben von ihrer Dramatik aber sehr viel eingebüßt. Mit dem Damm wurde ja aber eine neue Schlucht geschaffen – vielleicht hätte man ihn den Vier Schluchten Damm nennen sollen.

Für heute soll es genug sein. Hier noch der Link zu einigen Bildern aus China.