{"id":1320,"date":"2019-08-23T11:42:45","date_gmt":"2019-08-23T10:42:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.any-where.de\/blog\/?p=1320"},"modified":"2019-10-10T21:13:45","modified_gmt":"2019-10-10T20:13:45","slug":"experimente-gegen-schwarz-weiss-denken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/experimente-gegen-schwarz-weiss-denken\/","title":{"rendered":"Experimente gegen Schwarz-Wei\u00df-Denken"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe mir f\u00fcr dieses Jahr eine ganz pers\u00f6nliche Challenge vorgenommen. Und je mehr ich mich mit dieser besch\u00e4ftige, um so mehr Beispiele finde ich in meinem Umfeld und ich habe die leise Ahnung, dass ich hier einem menschlichen Thema auf der Spur bin und nicht nur ich komisch bin. Es geht um bin\u00e4res Denken. Um An\/Aus-Denken, ganz-oder-gar-nicht Denken. Um all die schwarz-wei\u00dfen Betrachtungen, die wir jeden Tag in unserm Kopf haben und die uns hindern, Erkenntnisse zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div id=\"main-content\" class=\"wiki-content\">\n<div class=\"wiki-content\">\n<p>Mein Eindruck ist, dass wir Menschen viel zu oft in ganz simplen Kategorien wie &#8220;An&#8221; und &#8220;Aus&#8221; denken und unser Handeln danach ausrichten. Dieses aufzudecken, bewusst zu vermeiden oder aufzubrechen, um daraus Chancen zu entdecken: das ist meine Challenge. Was meine ich damit? Mein Eindruck ist folgender: Jeden Tag stehen wir vor Herausforderungen. Vor Ideen mit Unsicherheiten, verschiedensten \u00dcberzeugungen und somit unterschiedlichen Arten der Herangehensweise. Meist suchen wir intuitiv nach der 100%-L\u00f6sung bei der Suche nach einer Antwort. Wir stellen uns auf einer Skala der gedanklichen M\u00f6glichkeiten immer nur auf eine Seite, schlie\u00dfen die andere kategorisch aus und entdecken nicht die vielen M\u00f6glichkeiten, die zwischen den Extrempunkten liegen. Manchmal sehen wir sogar nur eine Seite der Skala und die andere ist im Nebel verschwunden. Wir befinden uns, wenn wir \u00fcber etwas diskutieren oder nachdenken somit in einer absoluten Betrachtung und es f\u00e4llt uns schwer, uns eine Welt auf der Linie zwischen zwei M\u00f6glichkeiten vorzustellen. Daraus resultiert, dass wir uns nicht bewegen (wollen) und stattdessen lieber folgendes machen: nichts.<\/p>\n<p>Da spielt nat\u00fcrlich ganz viel rein. Wir sind &#8211; zumindest in unserer deutschen (Gesch\u00e4fts-)Welt &#8211; darauf gepolt, dass Entscheidungen lange Bestand haben sollen, Irrt\u00fcmer als Fehler oder schlimmer noch als pers\u00f6nliche Niederlagen angesehen werden und wir uns so nicht zutrauen, Sachen aktiv auszuprobieren oder schlicht einfach zu mal versuchen, Dinge anders zu denken &#8211;\u00a0 eben mitten auf einer Skala der M\u00f6glichkeiten. Vermutlich macht uns unsere Sozialisierung einen m\u00e4chtigen Strich durch die Rechnung. Wir lernen es schlicht in der Schule schon anders: Dort lernen wir jeden Tag, dass wir die besten Noten bekommen, wenn wir uns konform auf der einen Seite der M\u00f6glichkeiten bewegen. F\u00fcr Abweichungen ist wenig Platz.<\/p>\n<p>Tja- und jetzt sind wir in einer agilen Welt, die von uns verlangt, genau das wieder m\u00fchsam abzutrainieren und auf Ver\u00e4nderungen zu reagieren. Oft.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich sind viele Entscheidungen &#8211; insbesondere in einer agilen Welt &#8211; nicht orientiert an der Frage: &#8220;Was ist die beste L\u00f6sung?&#8221;. Eigentlich sogar nie. Woher sollen wir es auch wissen? Wir waren ja nie da und haben nur die Bilder, die wir kennen, um uns etwas vorzustellen. Es geht viel eher darum: &#8220;Was macht es besser?&#8221; Oder vielleicht etwas negativer: &#8220;Welche Schmerzen kann ich besser aushalten?&#8221; Stellt man sich diese Fragen, er\u00f6ffnet sich gedanklich ein ganzer Korridor von M\u00f6glichkeiten und Ideen, wenn man vor Fragen mit teils hoher Unsicherheit steht. Auch f\u00e4llt es dann leichter, \u00c4nderungen in Schritte zu unterteilen und als iterativen Prozess zu sehen. Denn wenn man nun noch sagt: &#8220;Hey, ich entscheide mich jetzt f\u00fcr eine Richtung auf Basis dessen, was ich jetzt wei\u00df und welchen Schmerz ich lindern will&#8221;, kommt damit einher, dass wir mit neuen Erkenntnissen ggf. die Richtung nochmal \u00e4ndern werden. Wir lernen eben und \u00e4ndern unser Vorgehen oder Verhalten.<\/p>\n<p>Deshalb sind alle Ver\u00e4nderungen Experimente: Hypothesen, die wir aufstellen, um auf Schmerzen zu reagieren. Es sind Versuche, Dinge zu ver\u00e4ndern und nach der Durchf\u00fchrung zu fragen: Hat es Erfolg gebracht? Was haben wir gelernt? Was k\u00f6nnen wir ver\u00e4ndern, um zum Ziel zu kommen? Stimmt das Ziel \u00fcberhaupt noch? Experimente helfen uns, uns Ver\u00e4nderungen offen zu stellen und Unsicherheit zu begegnen. Wir gehen in Schritten vor und schauen, ob sie uns weitergebracht haben. Sie helfen, Schwarz-Wei\u00df-Denken und somit (gedanklichen) Stillstand aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Was hilft denn nun konkret beim Erkennen von Schwarz-Wei\u00df-Denken in all den kleinen Alltagssituationen? Sprache ist ein Schl\u00fcssel. Ein ziemlich gewaltiger sogar. Wenn du \u00fcber Worte wie immer, nur, nie, alles, aber, nicht, nichts, total, hundertprozentig, grunds\u00e4tzlich, niemand, alle, keiner oder jeder stolperst, hast du diese absoluten Kategorien schon mit einer hohen Treffergenauigkeit entdeckt. Achte mal darauf &#8211; du wirst \u00fcberrascht sein, wie oft das im Kleinen schon passiert. In solchen Situationen Fragen zu stellen wie &#8220;Wirklich jeder?&#8221;,\u00a0 &#8220;Wirklich nie?&#8221;,\u00a0 &#8220;Wann ist es anders?&#8221;, &#8220;Was hei\u00dft hundertprozentig?&#8221;, &#8220;Was passiert, wenn es nicht hundertprozentig ist?&#8221; \u00f6ffnen sich ganz neue Perspektiven und Raum f\u00fcr Experimente. Probiert&#8217;s mal aus.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mir f\u00fcr dieses Jahr eine ganz pers\u00f6nliche Challenge vorgenommen. Und je mehr ich mich mit dieser besch\u00e4ftige, um so mehr Beispiele finde ich in meinem Umfeld und ich habe die leise Ahnung, dass ich hier einem menschlichen Thema auf der Spur bin und nicht nur ich komisch bin. 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