{"id":1331,"date":"2019-09-26T11:17:40","date_gmt":"2019-09-26T10:17:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.any-where.de\/blog\/?p=1331"},"modified":"2019-10-10T21:11:25","modified_gmt":"2019-10-10T20:11:25","slug":"ministry-of-silly-walks","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/ministry-of-silly-walks\/","title":{"rendered":"Ministry of Silly Walks &#8211; Komfortzonen verlassen"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe mir neue Schuhe gekauft. Sehen cool aus (finde zumindest ich), sie waren nicht so sehr teuer und sind ultrabequem. Passen f\u00fcr den Herbst (weil sie leicht gef\u00fcttert sind) und f\u00fchlen sich super leicht an. <\/p>\n\n\n\n<p>All das galt zumindest f\u00fcr die Zeit, in der ich mich nicht in den Schuhen bewegte sondern sie nur anhatte. Also eigentlich nur f\u00fcr 2 Minuten, nachdem ich das Paket ausgepackt und die Schuhe anprobiert hatte. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Denn es sind keine normalen Schuhe- es sind Barfu\u00dfschuhe: D\u00fcnne Sohlen vermitteln ein Gehgef\u00fchl, als w\u00fcrde man sich barfu\u00df bewegen, noch dazu soll das r\u00fcckenschonend und gut f\u00fcr das allgemeine K\u00f6rpergef\u00fchl sein. Klingt super, oder? Die ersten Tage, in denen ich diese Schuhe getragen habe und quer durch die Bremer Neustadt ins B\u00fcro gelaufen bin, waren die H\u00f6lle. Es f\u00fchlte sich beim Laufen wirklich unangenehm an. Weniger, weil die Sohlen so d\u00fcnn sind und man den Untergrund gelegentlich stark sp\u00fcren kann sondern vielmehr deshalb, weil sich jeder Schritt, den ich machte, wie ein dumpfer Schlag bis in meinen Kopf fortsetzte. Ihr kennt das sicher, wenn ihr auf Socken oder Barfu\u00df mal auf festem Boden gerannt seid. Diese dumpfen Schl\u00e4ge im Kopf. Furchtbar. Mit ged\u00e4mpften Schuhen nimmt man das nicht wahr und tritt zwar mit der Ferse auf, sp\u00fcrt durch die D\u00e4mpfung der Sohlen aber nichts. Der Preis daf\u00fcr ist ein &#8220;ungesunder Gang&#8221;. Muss zwar kein Problem sein, kann aber. Als Kind lernt man eigentlich ein anderes Gehen mit einem Auftreten \u00fcber den Vorderfu\u00df aber ver\u00e4ndert seine Laufgewohnheiten ziemlich schnell, wenn man an Schuhe gew\u00f6hnt wird. Man lebt mit dieser Polsterung ein Leben lang, es sei denn, man zwingt sich zu einer Ver\u00e4nderung und kauft sich Barfu\u00dfschuhe.<\/p>\n\n\n\n<p>Da stand ich nun mit meinen neuen Schuhen und ich musste also etwas vollkommen Ungew\u00f6hnliches tun: neu Laufen lernen. Gar nicht so leicht mit 39, aber zum Gl\u00fcck gibt es auch daf\u00fcr ein YouTube-Video. Durch die Stadt zu laufen und bewusst auf jeden Schritt zu achten, ist tats\u00e4chlich so komisch, dass ich jedes Mal dachte, die ganze Welt schaut mich an, als w\u00e4re ich Teil des&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.dailymotion.com\/video\/x2hwqki\">Ministry of Silly Walks<\/a>. Mittlerweile (also nach ca. einer Woche) geht das ganz gut, auch wenn ich immer noch bewusst einen Fu\u00df vor den anderen setze und von unbewusstem Laufen noch keine Rede sein kann. Aber: Es f\u00fchlt sich tats\u00e4chlich auch einfach so gut an, diese Schuhe zu tragen, noch dazu lerne ich eine &#8220;r\u00fcckenschonende Gangart&#8221; und entlaste meine Wirbels\u00e4ule viel besser als mit gepolsterten Schuhen.&nbsp;Offensichtlich habe ich gelernt und das macht mir enormen Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum erz\u00e4hle ich das? F\u00fcr mich ist das ein sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr das Verlassen der Komfortzone. Die Komfortzone (der sch\u00f6ne, gepolsterte Schuh, der sich schon so sch\u00f6n um den eigenen Fu\u00df legt) ist der Bereich, in dem wir uns auskennen. Wir kennen jeden Winkel, wissen genau, wie fest wir die B\u00e4nder ziehen m\u00fcssen und wie fest wir auftreten k\u00f6nnen. Manchmal merken wir aber zu sp\u00e4t, dass uns eine andere Gangart besser tun k\u00f6nnte. Die R\u00fcckenschmerzen sind schon da, bis du aber darauf kommst, dass es an den vermeintlich komfortablen Schuhen liegen k\u00f6nnte, vergeht viel Zeit. Warum sollte ich sie denn auch wechseln und anders gehen? Ist doch so sch\u00f6n bequem und das bisschen Zwicken im R\u00fccken &#8211; was macht das schon?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Warum behalten wir so gerne unsere bequemen Schuhe an? Sie sind so sch\u00f6n stabil. Sind so sch\u00f6n sicher. Haben uns gestern ja auch noch von A nach B getragen. Wir kennen uns aus. Es ist nicht anstrengend. Man wird nicht &#8220;verurteilt&#8221;. Man wei\u00df, was die anderen \u00fcber sie denken. Alles ist so sch\u00f6n vorhersehbar. Es ist angenehm. Aber es passiert auch eben nichts Neues. Es ist langweilig. Wir richten uns ein. Akzeptieren auch die Dinge, die wir doch eigentlich nicht akzeptieren wollen. Sprechen nicht dar\u00fcber, kehren sie vielleicht sogar unter den Tisch. Das Zwicken im R\u00fccken bleibt, wird vielleicht sogar schlimmer, die Sohlen laufen sich ab und der Schuh leiert mit der Zeit aus. Vielleicht f\u00fchlt sich das tief drinnen sogar frustrierend an. Was also tun?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Stretchzone&nbsp;ist Lernen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Schritt in die Stretchzone &#8211; die Zone zwischen Komfort und Panik &#8211; kann so hilfreich sein. Der Schritt in die Stretchzone ist Lernen. Sei es durch neue Skills. Durch die Arbeit mit anderen Menschen in neuen Konstellationen. Durch eine neue Routine, die man in seinen Alltag einbaut. Durch das Engagement f\u00fcr Dinge, von denen man selbst noch nicht so genau wei\u00df, wohin sie f\u00fchren. In meinem Fall sorgt das &#8220;neue Gehen in anderen Schuhen&#8221; f\u00fcr einen wirklichen pers\u00f6nlichen Qualit\u00e4tsgewinn.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"562\" height=\"442\" src=\"http:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Komfortzone_Stretchzone_Panikzone.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1332\" srcset=\"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Komfortzone_Stretchzone_Panikzone.png 562w, https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Komfortzone_Stretchzone_Panikzone-400x315.png 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 562px) 100vw, 562px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wer will schon barfu\u00df laufen.<\/h2>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist die Dosierung wichtig. Ich rede nicht vom Sprung in die Panikzone. Komplett barfu\u00df wollte ich auch nicht durch die Stadt laufen. Komischerweise scheinen wir aber oft \u00fcber die Stretchzone hinweg zu schauen. Selbst, wenn wir erkennen, dass wir vielleicht eine neue Gangart lernen sollten, schauen wir in die Ferne und sehen uns in Panik barfu\u00df durch die Stadt rennen. Dabei geht es nicht um den gro\u00dfen unbekannten Sprung hinein in Dinge, die uns vielleicht sogar bedrohlich vorkommen. Ver\u00e4nderung liegt oft viel n\u00e4her. Oft ist es nur ein Schritt. Ein Schritt rein in die Stretchzone kann viel ver\u00e4ndern um dich herum und auch in dir selbst. Du kennst auch den Gl\u00fccksmoment, wenn du etwas gelernt und angewandt hast, das du mit etwas Anstrengung hinbekommen hast. Nein? Denk nochmal gut nach. Im Urlaub in der Landessprache etwas zu essen bestellt haben. Ein Musikinstrument zu lernen. Eine neue F\u00e4higkeit f\u00fcr den Job zu lernen. Abends nach Hause zu gehen und das \u00e4tzende Problem der letzten Tage gel\u00f6st zu haben. Mit dem Rauchen aufzuh\u00f6ren.&nbsp;Einen Halbmarathon laufen. Auch mit Bauchkribbeln vorne gestanden zu haben, als es notwendig war. Die Steuererkl\u00e4rung abgegeben zu haben. Was immer es f\u00fcr dich ist: du kennst diese Momente und ganz ehrlich, ein wenig gl\u00fccklich machen sie dich doch, oder?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Dein Ministry of Silly Walks<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Nichts ist von Beginn an perfekt. Im Gegenteil: Wenn es anf\u00e4ngt, sich unangenehm anzuf\u00fchlen, ist eine gute Chance da, dass Lernen einsetzt. Zumindest lohnt es sich, das zu hinterfragen statt schon im Vorfeld 100 Gr\u00fcnde zu finden, warum du nicht oder besser statt dir jemand anderes die Dinge tun sollte.&nbsp;Der Schritt in die Stretchzone ist dein Ministry of Silly Walks. Hier f\u00fchlen sich Dinge komisch an, man l\u00e4uft wie auf Nadeln und muss eine Strategie finden, &#8220;klarzukommen&#8221;. Du lernst.<\/p>\n\n\n\n<p>Stell dir regelm\u00e4\u00dfig drei Fragen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>was willst du wirklich?<\/li><li>wie sollte es denn eigentlich sein?<\/li><li>was h\u00e4lt mich gerade davon ab, es zu \u00e4ndern?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Diese treiben dich eigentlich schon automatisch in die Stretchzone und bringen dich dem Lernen n\u00e4her.&nbsp;&#8220;Jaja, theoretischer Schnack \u00fcber Komfortzonen.&#8221; Vielleicht. Beobachte an dir selbst, wann du bereit bist, ins Ministry of Silly Walks zu gehen. Und vor allem: Wann du es nicht bist. Und reflektiere, woran das liegt und was dich davon abh\u00e4lt. Vielleicht hebst du irgendwann einmal mehr die Hand, wenn dein Engagement und dein Wissen gefragt ist, Neues zu schaffen. Sei es im Job oder in anderen Teilen deines Lebens.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/whatsup.eventim.net\/s\/de_DE\/7901\/0b59262db6a7cd3dbeee6d1b1416b77c01706b36\/_\/images\/icons\/emoticons\/smile.svg\" alt=\"(L\u00e4cheln)\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p>P.S.: Bevor ich den Blame abbekomme: Ich habe nicht jeden Tag meine&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wildling.shoes\/collections\/wildling\">Barfu\u00dfschuhe<\/a>&nbsp;an&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mir neue Schuhe gekauft. Sehen cool aus (finde zumindest ich), sie waren nicht so sehr teuer und sind ultrabequem. 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