{"id":1740,"date":"2020-05-15T11:49:10","date_gmt":"2020-05-15T10:49:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.any-where.de\/blog\/?p=1740"},"modified":"2020-05-23T21:21:59","modified_gmt":"2020-05-23T20:21:59","slug":"geh-bewusst-mit-deiner-sprache-um","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/geh-bewusst-mit-deiner-sprache-um\/","title":{"rendered":"Geh bewusst mit deiner Sprache um"},"content":{"rendered":"\n<p>Worte pr\u00e4gen unsere Wahrnehmung. Welche ich benutze, wirkt sich stark auf die Dynamik der Kommunikation, die Emotionen, die Wahrnehmung und Meinungsbildung unseres Gegen\u00fcbers aus. Insbesondere in der Situation jetzt, in der viele von uns verteilt arbeiten und Kommunikation stark \u00fcber Videokonferenzen stattfindet, gewinnen Worte &#8211; vielleicht muss man sogar sagen leider &#8211;  eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung, da Gestik und Mimik nur eingeschr\u00e4nkt wahrgenommen werden k\u00f6nnen. Implizite Kommunikation ist schwierig und erfordert, dass wir andere Wege finden, Emotionen zu erkennen und unsere Wahrnehmung abzugleichen. <\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist die Corona-Krise deshalb eine tolle Gelegenheit, unsere Sprache bewusster zu gestalten. Darauf zu achten, was wir sagen, welche Muster wir verwenden und welche Wirkung sie auf andere haben.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>In diesem Artikel schreibe ich einen kleinen Streifzug durch meine Gedanken dazu nieder und freue mich, wenn f\u00fcr euch etwas Griffiges dabei ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Co-Active Coach hilft mir hier meine Haltung: &#8220;People are naturally creative,&nbsp;resourceful&nbsp;and whole.&#8221; Genau so sollten wir Menschen auch in der Sprache begegnen: Positiv zugewandt, in dem Vertrauen, dass sie OK sind.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sage, was du willst und nicht was du nicht willst.<\/h2>\n\n\n\n<p>Von Kindesbeinen an h\u00f6ren wir S\u00e4tze wie: &#8220;Mach das nicht&#8221; &#8211; &#8220;Lass das sein&#8221; &#8211; &#8220;Nicht die Wand anmalen&#8221;. Ganz abgesehen davon, dass das Wort &#8220;nicht&#8221; von kleinen Kindern gar nicht verstanden wird, da es bestimmte logische Denkprozesse voraussetzt, die sich erst entwickeln m\u00fcssen, erleben wir dadurch Verneinung und Ablehnung schon fr\u00fch als wichtigen Bestandteil in der Sprache und somit auch in unserem Bewusstsein. Das setzt sich in unserer Haltung und unseren Sprachmustern fort. Man sieht das zum Beispiel daran, dass das Wort &#8220;nicht&#8221; unter den Top 20 der<a aria-label=\" am h\u00e4ufigsten verwendeten (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/www.duden.de\/sprachwissen\/sprachratgeber\/Die-haufigsten-Worter-deutschsprachigen-Texten\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"aioseop-link\"> am h\u00e4ufigsten verwendeten<\/a> deutschen Worte ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben also eine Nein-Sager-Kultur und schaffen uns selbst kommunikative Barrieren, halten oft Kreativit\u00e4t und Denken sprachlich auf und sorgen daf\u00fcr, Dinge zu stoppen, statt Gestaltung zu erm\u00f6glichen. Dabei gibt es eine einfache Alternative dazu, die nur ein wenig Kreativit\u00e4t erfordert, weil sie so ungewohnt ist f\u00fcr uns: Statt zu sagen, was wir nicht wollen, sollten wir sagen, was wir m\u00f6chten. Life Hack. Das \u00f6ffnet R\u00e4ume, statt sie durch eine Verneinung zu schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel: <\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Der Kunde darf auf keinen Fall den Auftrag stornieren.&#8221; Nimm dir ruhig einige Sekunden, um dir zu \u00fcberlegen, wie er auf dich wirkt. Aus dem Mund eines Vertriebsleiters wirkt er vielleicht sogar bedrohlich. Er schr\u00e4nkt handeln ein und schlie\u00dft alle R\u00e4ume dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen Satz kann man positiv formulieren und dadurch R\u00e4ume zur Gestaltung \u00f6ffnen, welche die Kommunikation und Kreativit\u00e4t fortschreiten lassen. Ein Beispiel: &#8220;Ich m\u00f6chte, dass wir dem Kunden soweit entgegenkommen, damit der Auftrag bestehen bleibt.&#8221; Nimm dir ein paar Sekunden und lass auch diesen Satz auf dich wirken. Vielleicht merkst du einen Unterschied.<\/p>\n\n\n\n<p>Um einem Missverst\u00e4ndnis vorzubeugen: Ich verlange  nicht, Ablehnung oder Verneinung aus dem Sprachgebrauch zu streichen. Das wird auch nicht gehen. Wir k\u00f6nnen durch das Vermeiden von sprachlichen Einschr\u00e4nken und Verneinungen dennoch darauf achten, etwas Positives und \u00d6ffnendes daneben zu stellen, um L\u00f6sungsr\u00e4ume zu erschaffen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Beziehe die Situation deines Gegen\u00fcbers mit ein<\/h2>\n\n\n\n<p>Wir neigen grunds\u00e4tzlich dazu, die Eigenschaften, Einstellungen und Meinungen anderer(!) Menschen bei der Bewertung ihres Handelns viel zu stark zu ber\u00fccksichtigen und die jeweiligen Umst\u00e4nde, in denen sich eine Person befindet, zu stark auszublenden. Dieser sog. <a aria-label=\"Attributionsfehler  (opens in a new tab)\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Attributionsfehler\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" class=\"aioseop-link\">Attributionsfehler<\/a> tritt in Remote-Work-Zeiten durch die Entfernung und fehlende direkte Wahrnehmung noch st\u00e4rker zu Tage.  <\/p>\n\n\n\n<p>Es lohnt sich, dessen bewusst zu sein und genauer hinzuschauen, bevor wir zu sehr geneigt sind, ein verzerrtes Bild wahrzunehmen. In Kommunikation bedeutet dies, dass der pers\u00f6nlichen Lage einer Person mehr Beachtung geschenkt werden sollte und dies auch benannt wird. Hinterfrage mehr: &#8220;Was hat dich zu Entscheidung A gebracht&#8221; oder &#8220;wie kommst du zu diesem Vorgehen&#8221;?<\/p>\n\n\n\n<p>Umgekehrt antizipieren wir auch ein bestimmtes Verhalten und interpretieren im vorauseilenden Gehorsam durch die r\u00e4umliche Entfernung stark ein m\u00f6glicherweise auftretendes Verhalten. Auch hier gilt: Hinterfrage, hinterfrage, hinterfrage. Sei Neugierig auf die Situation des Gegen\u00fcbers und ziehe sie mit ein deine \u00dcberlegungen ein.  <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die simpelste Form der Wertsch\u00e4tzung: Danke.<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein weiterer wichtiger Punkt ist wertsch\u00e4tzende Sprache. Ein &#8220;Danke&#8221; macht einen riesigen Unterschied. Es gibt viele allt\u00e4gliche Situationen, in denen wir viel zu wenig Danke sagen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Danke f\u00fcr deinen R\u00fcckruf \/ Anruf<\/li><li>Danke f\u00fcr deine schnelle Antwort<\/li><li>Danke f\u00fcr deinen Beitrag, das war sehr inspirierend<\/li><li>Danke, dass ihr euch die Zeit nehmt<\/li><li>Danke f\u00fcr das effiziente Meeting<\/li><li>Danke f\u00fcr die vielen Ideen<\/li><li>Danke, dass wir alle zusammen arbeiten d\u00fcrfen<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich rede ich hier von einem authentischen und ernst gemeinten Danke. Das geht runter wie \u00d6l, schafft Vertrauen und integriert Menschen. Ein &#8220;Danke, dass wir heute mal p\u00fcnktlich beginnen konnten&#8221; wirkt hier eher gegenteilig. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Den Beitrag der Menschen sichtbar machen<\/h2>\n\n\n\n<p>Durch das derzeit stark verteilte Arbeiten ist vieles, was Menschen tun, nicht (mehr) sichtbar und wird somit auch zu wenig wahrgenommen. Deshalb lohnt es sich umso mehr, den Beitrag der Menschen zur Wertsch\u00f6pfung zu benennen und zu w\u00fcrdigen. Das kann Einzelnen gegen\u00fcber passieren oder auch dem ganzen Team gegen\u00fcber. Gesehen werden, Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr das eigene Tun zu erfahren und somit Teilhabe am Ganzen zu versp\u00fcren, adressiert wichtige menschliche Bed\u00fcrfnisse. <\/p>\n\n\n\n<p>Am sch\u00f6nsten ist es, wenn ein Team dies selbst tut. Eine ganz einfache M\u00f6glichkeit dazu bieten Blitzlichtrunden zu Beginn eines Meetings (bspw. eines Dailys): Jede*r wird eingeladen, eine Minute zu erz\u00e4hlen, was ihn gerade umtreibt, besch\u00e4ftigt und wie seine pers\u00f6nliche Lage gerade ist. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.any-where.de\/tools\/WowCard\" class=\"aioseop-link\">Digitale Kudo-Karten<\/a> funktionieren auch remote super: Mache Gebrauch davon, um Beitr\u00e4ge einzelner Personen oder Teams sichtbar zu machen, bspw. indem eine Kudo-Card in einem Slack-Channel gepostet wird, der einigen relevanten Menschen zug\u00e4nglich ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch<\/h2>\n\n\n\n<p>Dadurch, dass wir uns stark in oft ruckeligen Videocalls sehen,  mag es sein, dass wir bestimmte Emotionen unseres Gegen\u00fcbers nicht richtig oder falsch verstehen. Es lohnt sich also, bewusst hinzuschauen und seine eigene Wahrnehmung abzugleichen und dies auch zu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bringt gleich mehrere Vorteile: Ist unser Gegen\u00fcber mit der eigenen Sicht nicht einverstanden, wird es das benennen und korrigieren. Passt die Wahrnehmung zur emotionalen Lage, entsteht Vertrauen, wir sehen uns einander und k\u00f6nnen L\u00f6sungen entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Nimm also Emotionen bewusst wahr und spiegle deine Wahrnehmung deinem Gegen\u00fcber: &#8220;Ich sehe, dass dich das gerade sehr ver\u00e4rgert und ich kann das gut verstehen&#8230; Ich habe einen Vorschlag: Lass uns doch&#8230;&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Dreiklang Wahrnehmung (Beobachtung) &#8211; Wirkung auf dich (Gef\u00fchl) &#8211; Wunsch (f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige Handlung) ist f\u00fcr mich ein fast t\u00e4glich angewandtes Muster, was mir hilft, mich insbesondere in Konfliktsituationen zu kalibrieren und angemessen wertvolles Feedback zu geben. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zeige Demut<\/h2>\n\n\n\n<p>Statt Menschen zu sagen, wo sie hin sollen, sollten wir ihnen auf Augenh\u00f6he begegnen und im Dialog gemeinsam austarieren, wo wir gerade stehen. Sende dabei Ich-Botschaften und verzichte auf Pauschalisierungen. Statt &#8220;ihr kommt ja immer zu sp\u00e4t&#8221; lieber ein &#8220;ich w\u00fcnsche mir, dass wir p\u00fcnktlich beginnen k\u00f6nnen.&#8221; Hinter jeder Aussage stecken Hinweise auf unerf\u00fcllte Bed\u00fcrfnisse. Indikatoren daf\u00fcr sind \u00c4u\u00dferungen \u00fcber Emotionen. Schaue, welche unerf\u00fcllten Bed\u00fcrfnisse sich hinter einer Aussage verstecken k\u00f6nnten und hinterfrage diese. Hilfreich dabei ist das Formulieren von Bitten als Alternative zu Appellen. Diese sollten rund um St\u00e4rken formuliert werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Konkrete Sprachtipps<\/h2>\n\n\n\n<p>Zum Schluss dieses kleinen Ausflugs habe ich noch ein paar kleine Sprachtipps, die mir im Alltag helfen und bei denen es sich f\u00fcr mich lohnt, sie bewusst in die eigene Sprache zu integrieren:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Verwende lieber &#8220;und&#8221; statt &#8220;aber&#8221; &#8211; die Wirkung ist fast magisch<\/li><li>Lade Menschen wortw\u00f6rtlich ein: &#8220;Ich m\u00f6chte euch einladen, heute mit mir in diesem Meeting X zu besprechen.&#8221;<\/li><li>Sprich von Menschen. Nicht von Kolleg*innen oder Mitarbeiter*innen. Einfach Menschen.<\/li><li>Statt &#8220;ich muss noch die Steuererkl\u00e4rung machen&#8221; sag &#8220;ich will noch die Steuererkl\u00e4rung machen&#8221; <\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Welche Tipps f\u00fcr bewusstere Sprache habt ihr?<\/h2>\n\n\n\n<p>Ich freue mich, wenn ihr mir eure Gedanken und Tipps sendet, wie ihr mit Sprache im Alltag bewusst umgeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Worte pr\u00e4gen unsere Wahrnehmung. Welche ich benutze, wirkt sich stark auf die Dynamik der Kommunikation, die Emotionen, die Wahrnehmung und Meinungsbildung unseres Gegen\u00fcbers aus. Insbesondere in der Situation jetzt, in der viele von uns verteilt arbeiten und Kommunikation stark \u00fcber Videokonferenzen stattfindet, gewinnen Worte &#8211; vielleicht muss man sogar sagen leider &#8211; eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung, &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/geh-bewusst-mit-deiner-sprache-um\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &#8220;Geh bewusst mit deiner Sprache um&#8221;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1762,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[161,166,20],"tags":[262,268,269],"class_list":["post-1740","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-agile","category-german","category-life","tag-coaching","tag-kommunikation","tag-worte"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1740","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1740"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1740\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1761,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1740\/revisions\/1761"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1762"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1740"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1740"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1740"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}