{"id":1792,"date":"2020-07-31T11:02:23","date_gmt":"2020-07-31T10:02:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.any-where.de\/blog\/?p=1792"},"modified":"2021-07-22T12:06:37","modified_gmt":"2021-07-22T11:06:37","slug":"du-bist-nicht-opfer-deines-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/du-bist-nicht-opfer-deines-lebens\/","title":{"rendered":"Du bist nicht Opfer deines Lebens."},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn es nicht nur ein Unwort des Jahres sondern auch eine Unredensart des Jahres g\u00e4be, w\u00e4re f\u00fcr mich die Gewinnerin in diesem Jahr klar: &#8220;In Zeiten von Corona.&#8221; Mir begegnet dieser Ausdruck t\u00e4glich. Irgendwie wirkt dieser Ausdruck auf mich fast schon entschuldigend daf\u00fcr, dass wir glauben &#8211; vielleicht nur noch weniger als sonst &#8211; kaum bis keine Gelegenheit zu haben, selbst etwas \u00e4ndern, selbst etwas gestalten zu k\u00f6nnen. F\u00fcr mich spiegelt er eine Haltung wider, die ich bereits zu <a href=\"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/corona-zeigt-uns-wir-sind-egoistische-lemminge\/\" title=\"Corona zeigt uns: Wir sind egoistische Lemminge.\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Beginn der Krise beschrieben<\/a> habe: Ein passives Warten darauf, dass endlich jemand f\u00fcr uns Entscheidungen trifft und unser Handeln anst\u00f6\u00dft. Dabei haben wir selbst viel mehr mentalen und kreativen Handlungsspielraum, den wir unbedingt nutzen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich: Die Krise ist etwas von Au\u00dfen getriggertes. Niemand kann etwas daf\u00fcr. In gewisser Weise sind wir also alle Opfer dieser Pandemie, keiner hat sie sich ausgesucht. Au\u00dfer einigen Verschw\u00f6rungstheoretikern hat auch niemand eine Idee, wen er daf\u00fcr schuldig machen kann und an wen er die Verantwortung abgeben k\u00f6nnte. Das macht es nur noch schwerer, mit der Situation umzugehen. Mein Eindruck ist, dass es uns gerade wegen dieser diffusen Verantwortungslage &#8211; in dieser komplexen Lage &#8211; schwer f\u00e4llt, selbst Verantwortung f\u00fcr unser Handeln zu \u00fcbernehmen, Entscheidungen zu treffen und zu gestalten. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wir warten.<\/h2>\n\n\n\n<p>Statt dessen warten wir. Wir warten darauf, dass uns jemand sagt, was wir tun sollen und reagieren dann auch noch mit unserem urtypischen Auslegen von Regeln nach dem Motto &#8220;wo kein Kl\u00e4ger, da kein Richter&#8221;, statt selbst den Pr\u00e4frontalen Cortex einzuschalten: Neulich h\u00f6rte ich in einem Interview im Deutschlandfunk die Geschichte eins Journalisten, welche von der Anfangszeit des Lockdowns (mein Gewinnerwort f\u00fcr das &#8220;Unwort  des Jahres&#8221;) in Baden-W\u00fcrttemberg in etwa so berichtete: Die Maskenpflicht in Gesch\u00e4ften wurde freitags eingef\u00fchrt, aber erst am Montag darauf bei Nichtbeachtung mit Bu\u00dfgeldern belegt. Als besagter Journalist nun freitags in einen Laden ging und die Angestellten dort darauf hinwies, dass ab heute ja nun Masken getragen werden m\u00fcssten, sie aber ja keine angelegt h\u00e4tten, antworteten die: &#8220;Ja, wissen wir, aber Bu\u00dfgelder gibt es ja erst ab Montag.&#8221; <\/p>\n\n\n\n<p>Da fragt man sich schon, wie sehr Menschen in der Lage sind, Verantwortung f\u00fcr sich selbst und andere zu \u00fcbernehmen. Mir geht es dabei gar nicht so sehr um die Krisensituation. Mir geht es um die zugrundeliegende Haltung, die hier f\u00fcr mich sehr deutlich wird und die sich durch die Krise gerade nur viel intensiver zeigt: Eine oft passive, egoistische Haltung ohne den Antrieb, selbst zu gestalten und zu entscheiden. Dabei m\u00f6chte ich nat\u00fcrlich nicht alle Menschen \u00fcber einen Kamm scheren, aber meine Wahrnehmung aus vielen Gespr\u00e4chen ist, dass viele Menschen das Potenzial haben, ihre eigene Handlungsf\u00e4higkeit zu entdecken. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Raus aus dem Solarium!<\/h2>\n\n\n\n<p>Nachdem wir nun im f\u00fcnften Monat der Pandemie sind, wird diese passive Haltung zum Problem. Denn ich glaube, dass wir bisher die Auswirkungen der Pandemie auf uns pers\u00f6nlich weitgehend nicht gesp\u00fcrt haben oder auch nicht sp\u00fcren wollten.  Wir sind also sp\u00e4t dran, uns Gedanken zu machen. Millionen Arbeitnehmer*innen sind in Kurzarbeit, die ersten Unternehmen und Branchen sind in einer echten Schieflage, vielleicht kentern sie auch schon. Aber uns pers\u00f6nlich ging es bisher doch weitgehend gut. Bisher sind die allermeisten doch weich gefallen: die gr\u00f6\u00dfte Sorge war, ob wir wohl in den Urlaub fahren k\u00f6nnen oder nicht.  Bisher konnten wir unsere emotionale Reaktion auf die Krise weitgehend ausblenden oder verschieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sind einige schwarze Wolken da, wir gehen aber flei\u00dfig ins Solarium, um uns mit Sonne zu versorgen und uns davon abzulenken: Wir k\u00f6nnen es uns noch nicht vorstellen und wollen es vermutlich nicht wahrhaben, was da eigentlich passiert. Ich bef\u00fcrchte, dass uns in den kommenden Wochen allen aber sehr deutlich werden wird, was das eigentlich alles bedeuten kann und welche schwarzen Wolken da am Himmel sind, die wir nun nicht mehr ignorieren k\u00f6nnen. Welche wirtschaftlichen Folgen die Pandemie haben wird, wie sich bspw. sowieso existierende Trends wie der &#8220;Niedergang der Innenst\u00e4dte&#8221; durch Insolvenzen versch\u00e4rfen, wie sich ganze Branchen neu erfinden m\u00fcssen &#8211; all das scheint erst jetzt &#8211; ganz langsam &#8211; bei uns anzukommen und sich auf ihren Umgang mit der Krise auszuwirken. Wie m\u00fcssen also jetzt Verantwortung f\u00fcr unser eigenes Handeln \u00fcbernehmen und anfangen zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Podcast <a href=\"https:\/\/open.spotify.com\/show\/3AcMs3p7V5eCJ1dK8yymhy?si=x0KQRRmd\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Arbeitsphilosophen<\/a> h\u00f6rte ich die Tage Frank Eilers, wie er davon sprach, dass er als Selbst\u00e4ndiger einen Notfallplan mit mehreren Szenarien in der Schreibtischschublade liegen hatte, der ihm half, in der Krisensituation schnell wichtige Entscheidungen zu treffen. Ein tolles Beispiel f\u00fcr Verantwortungs\u00fcbernahme f\u00fcr sich selbst und sein Umfeld. Genau diese Haltung vermisse ich bei vielen Menschen und zwar nicht erst seit &#8220;der Zeit mit Corona.&#8221; <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Du entscheidest.<\/h2>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich ist es gar nicht f\u00fcr jeden n\u00f6tig, einen versiegelten Notfallplan im Schreibtisch liegen zu haben. Ich glaube aber schon, dass es gerade jetzt wichtig ist, zu reflektieren und sich pers\u00f6nlich diese wichtigen Fragen zu stellen. Nur so kommen wir in einen nach vorne gerichteten Denkmodus, der uns erlaubt, uns auf die noch lange verbleibende Krisenzeit zu vorzubereiten und uns zu sensibilisieren f\u00fcr eine vielleicht noch sehr lange Zeit, die uns Corona beschert.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz aller Krise: Du bist nicht Opfer deines Lebens. Warte nicht, bis jemand dir sagt, was zu tun ist und was richtig ist. Benutze deinen eigenen Kopf und dein Herz, um zu entscheiden, was f\u00fcr dich und dein direktes Umfeld die richtigen Impulse sind. Nimm ernst, wie es dir geht. Wie gehst du emotional mit dieser Krise um? Was macht es mit dir, elementaren Fragen ausgesetzt zu sein? Was macht die unsichere Zukunft mit dir? Was kannst du tun, um dich und deine Mitmenschen bestm\u00f6glich zu begleiten? Welche Bed\u00fcrfnisse hast du?Finde deine Kreativit\u00e4t: Was ist das, wof\u00fcr du wirklich, wirklich brennst? Was ist deine Passion? Was lernst du gerade aus der Zeit jetzt? <\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, dass jeder, der anf\u00e4ngt, sich diese Fragen zu stellen und damit ganz eigene Antworten findet, einen Beitrag dazu leisten kann, dass wir als Gesellschaft gut durch diese Pandemie navigieren.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es nicht nur ein Unwort des Jahres sondern auch eine Unredensart des Jahres g\u00e4be, w\u00e4re f\u00fcr mich die Gewinnerin in diesem Jahr klar: &#8220;In Zeiten von Corona.&#8221; Mir begegnet dieser Ausdruck t\u00e4glich. Irgendwie wirkt dieser Ausdruck auf mich fast schon entschuldigend daf\u00fcr, dass wir glauben &#8211; vielleicht nur noch weniger als sonst &#8211; kaum &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/du-bist-nicht-opfer-deines-lebens\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &#8220;Du bist nicht Opfer deines Lebens.&#8221;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1795,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[161,166,20],"tags":[262,260],"class_list":["post-1792","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-agile","category-german","category-life","tag-coaching","tag-newwork"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1792","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1792"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1792\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1799,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1792\/revisions\/1799"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1795"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1792"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1792"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1792"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}