{"id":292,"date":"2009-12-11T09:14:41","date_gmt":"2009-12-11T08:14:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.any-where.de\/blog\/?p=292"},"modified":"2009-12-11T09:14:41","modified_gmt":"2009-12-11T08:14:41","slug":"wachstumsbeschleunigungsgesetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.any-where.de\/blog\/wachstumsbeschleunigungsgesetz\/","title":{"rendered":"Wachstumsbeschleunigungsgesetz."},"content":{"rendered":"<p>Ein Gesetz, das zur Beschleunigung des Wachstums dienen soll? Merkw\u00fcrdig: Was ist denn eigentlich dieses &#8220;Wachstum&#8221;?<\/p>\n<p>Nur ein paar kurze Gedanken von einem Informatiker zu diesem Thema: Wirtschaftswachstum bedeutet ein Steigen des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/BIP\" target=\"_blank\">Bruttoinlandsprodukts<\/a>. Also der Wert aller Produkte und Dienstleistungen in einem Land innerhalb eines Jahres. Schaut man sich die Werte seit 1950, so ist ein stetiges Wachstum festzustellen.<\/p>\n<p>Nahezu gleichzeitig stieg die Zahl der Arbeitslosen seit 1960 stetig an. Und der Langzeittrend scheint weiterhin nach oben zu zeigen. Ich bin ja nun Informatiker und kein Betriebswirt. Dennoch scheint mir doch ein Zusammenhang zwischen steigendem Wirtschaftswachstum und steigender Arbeitslosigkeit zu sein.<\/p>\n<p>Offensichtlich sorgen hohe Wachstumsraten nicht zwingend f\u00fcr Besch\u00e4ftigung. Wie auch: Wachstum erzeugt man durch h\u00f6here Produktivit\u00e4t in Branchen, in denen oft klassisch viele Menschen arbeiten. Die Angestellten sind der hohe Kostenfaktor, besonders in Branchen der Industrie, die viele Menschen besch\u00e4ftigen. Will man also h\u00f6here Produktivit\u00e4t, wird man nicht neue Menschen einstellen sondern eher daf\u00fcr sorgen, dass man die Produktivit\u00e4t durch Automatisierung steigert.<\/p>\n<p>Das erkl\u00e4rt dann auch, warum viele Unternehmen trotz Gewinnen tausende von Menschen entlassen: Aus wirtschaftlicher Sicht brauchen sie diese nicht, denn durch optimierte Prozesse und bessere Technik werden weniger Menschen f\u00fcr einen Produktivit\u00e4tszuwachs und dadurch letztlich f\u00fcr Wachstum ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Und nun sollen wir also ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz bekommen: Im gro\u00dfen und ganzen sollen Unternehmen und B\u00fcrger durch Steuerentlastungen f\u00fcr ein h\u00f6heres Wachstum sorgen. F\u00fcr die B\u00fcrger bedeutet das, dass mehr konsumiert werden kann, was wieder in h\u00f6hren Einnahmen f\u00fcr Unternehmen resultiert. F\u00fcr diese werden neben den Steuerersparnissen also auf einmal Gelder frei, die sie zur Produktivit\u00e4tssteigerung verwenden k\u00f6nnen. Somit k\u00f6nnten z.B. Werke modernisiert oder neu gebaut werden, um kosteneffizienter Produkte herzustellen. H\u00f6here Effizienz und Produktivit\u00e4t bei weniger Angestellten. Sprich: Es liegt also nahe, dass ein solches Gesetz f\u00fcr ein sch\u00f6nes, kurzfristiges Wachstum sorgt auf Kosten von mehr Arbeitslosen; zumindest langfristig. Welchen Sinn hat also dieses Gesetz f\u00fcr unsere Gesellschaft, das am Ende auch keine Antwort auf langfristige Trends ist? Klingt f\u00fcr mich nach Augenwischerei.<\/p>\n<p>Komisch. Brauchen wir vielleicht andere Konzepte um einer Wirtschaft und Gesellschaft gerecht zu werden, in der es immer weniger bezahlte Arbeitsstellen gibt? Denn durch unserern Fortschritt und unser Wissen haben wir es ja erst soweit gebracht, dass wir jetzt eben nicht mehr alle arbeiten k\u00f6nnen. Denn war es nicht ein Ziel, durch bessere Technik daf\u00fcr zu sorgen, dass sich Menschen nicht mehr durch k\u00f6rperliche Arbeit plagen m\u00fcssen? Vielleicht ist es tats\u00e4chlich an der Zeit, umzudenken und auf Basis dessen, was wir erreicht haben und mit all den Erfolgen der letzten Jahrzehnte im Gep\u00e4ck f\u00fcr Besch\u00e4ftigung zu sorgen. Kreative Potentiale gibt es genug, Arbeit auch. Nur sorgt sie nicht immer f\u00fcr ein Einkommen. K\u00f6nnte ein <a href=\"http:\/\/www.kultkino.ch\/kultkino\/besonderes\/grundeinkommen\" target=\"_blank\">bedingungsloses Grundeinkommen<\/a> eine realistische M\u00f6glichkeit sein, den immer mehr wegbr\u00f6ckelnden Arbeitspl\u00e4tzen im produzierenden und verarbeitenen Gewerbe entgegenzusteuern und auf der anderen Seite kreative und soziale, k\u00fcnstlerische und ehrenamtliche T\u00e4tigkeiten, die alle wichtig sind, aufzuwerten? Denn wie gesagt: Arbeit gibt es genug. nur nicht jede wird bezahlt.<\/p>\n<p>Ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz klingt da nach &#8220;wir halten an alten Strukturen fest, komme, was wolle&#8221;. Arbeit wird es nicht schaffen, Wachstum wohl. Sozusagen ein Schmerzmittel statt Langzeittherapie.<br \/>\nVielleicht wird es langsam wirklich Zeit f\u00fcr einen gro\u00dfen &#8220;Reformwurf&#8221; auf der Grundlage dessen, was wir haben: Einen wohlhabenen Staat, hervorragende Bildung und eine soziale Gesellschaft. Ideen zu Konzepten \u00fcber das bedingungslose Grundeinkommen, einer gro\u00dfen Steuerreform auf Basis einer Konsumsteuer und mehr politischer Partizipation k\u00f6nnten vielleicht eine Antwort sein. Das erfordert allerdings Mut zu mehr Demokratie, offenem Denken und &#8220;Freigeist&#8221;.Sowohl in der Politik als auch in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Wie gesagt: Ich bin Informatiker. Vielleicht hat ein Wirtschaftler eine andere Sicht auf die Dinge?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gesetz, das zur Beschleunigung des Wachstums dienen soll? Merkw\u00fcrdig: Was ist denn eigentlich dieses &#8220;Wachstum&#8221;? Nur ein paar kurze Gedanken von einem Informatiker zu diesem Thema: Wirtschaftswachstum bedeutet ein Steigen des Bruttoinlandsprodukts. Also der Wert aller Produkte und Dienstleistungen in einem Land innerhalb eines Jahres. 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