Archive for July, 2008

Global Warming.

Friday, July 25th, 2008

Spöttische Irlandbesucher behaupten, der Unterschied zwischen Sommer und Winter läge in der Temperatur des Regens. Im Sommer sei der eben warm und im Winter kühl. In diesem Jahr mögen diese Wetterspezialisten durchaus Recht haben- nach einem tollen Frühling und Sonne zwischen April und Mitte Juni befinden wir uns nun in einer Schlechtwetterphase. Der Wetterbericht sagt jeden Tag das gleiche voraus und er hat immer Recht, auch, wenn seine Vorhersagen etwas zu allgemein daher kommen: Ein wenig Sonne und Regen, Wolken auch und Wind gibts sowieso. Damit liegt man derzeit immer richtig. Dass sich der irische Wetterdienst damit natürlich auch klammheimlich aus der Verantwortung stiehlt, soll nicht weiter stören. Das Wetter ist hier durchaus aber nicht immer so. In diesem Jahr meckern die Iren darüber genauso wie die Touristen, die Dublin bevölkern.

Ein wenig höhere Temperaturen und Sonne würden diesem Land sehr gut tun: Die Stimmung der Menschen würde sich schlagartig verbessern, in den Pubs könnte man draußen sitzen und der Strand wäre auch ohne Winterjacke und Windschutz begehbar. Die Aussichten, diesen Zustand zu erreichen, sind gar nicht so schlecht- denn wir haben ja den Klimawandel! Der könnte wirklich zu meinem guten Freund und Irlands Wetter-Retter werden: Wir brauchen höhere Temperaturen. Vielleicht sollten wir, statt peinlich genau auf den möglichst niedrigen Energieverbrauch aller Verbrauchsgeräte zu achten, das genaue Gegenteil tun, damit die Sommer in Irland ein wenig sommerlicher werden. Während ich das schreibe (es ist 15:00h und hell), brennt mein Licht, ich habe die Heizung aus Protest angeschaltet und die Kühlschranktür offen gelassen. Mein kleiner Beitrag zum höheren Energieverbrauch und folglich schöneren Sommern in Irland.

Vielleicht macht der eine oder andere ja noch mit und im nächsten Jahr werden auch die Iren einmal mit 28 Grad im Schatten belohnt. Waste energy! Now! :-)

We’ll call you back.

Sunday, July 6th, 2008

Irland ist das Geburtsland der Billigfliegerei. Zumindest in Europa. Kein Wunder: Ryanair ist eine irische Airline, deren Chef es schon in jungen Jahren gelernt hat, die Preise in seinen Kiosken der Nachfrage anzupassen: Damals verkaufte er Batterien für geplagte Eltern an Weihnachten viel teurer als an sonstigen Tagen, weil diese die kleinen Energieträger zur Beruhigung ihrer Kinder benötigten, die ja nun mit neuen batteriegetriebenen Spielsachen beschenkt wurden. Heute verkauft er Flüge nach dem gleichen Prinzip- und das sehr erfolgreich.

Billiger Staat

Im Zuge der Verbilligung blieb der staatlichen Airline “Aer Lingus” nichts anderes übrig, als ihre Preise nach unten zu korrigieren, genau wie den Service auch: Hier kosten Gepäck, Zeitung und Getränke nun auch extra. 8 Euro bezahlt  man für einen Koffer. Solange dieser ankommt, ist auch alles in bester Ordnung.

Leider hat genau das letzte Woche nicht geklappt. Der 20:00h Aer Linugs Flug aus Frankfurt hatte über eine Stunde verspätung, weshalb ich das Halbfinale Spanien – Russland komplett im Empfangsbereich des Dubliner Flughafens schauen konnte. Eine interessante Erfahrung: Der einzige konstante Punkt in diesen über 90 Minuten war ich- alle anderen Teilnehmer dieses Public Viewings waren nur temporäre  Gäste, die alle 2-5 Minuten wechselten.

Mehr als nur ein kleiner Fehler

Nach Schlusspfiff war die Maschine dann auch endlich gelandet, aber Gabi ließ lange auf sich warten. Warum, stellte sich nach 45 Minuten heraus. Ihr Koffer war nicht mitgekommen.

Es stellte sich heraus, dass sie keinen Baggage Tag auf ihrem Ticket hatte. Offensichtlich hatte eine mehr oder weniger unfähige Check-In Mitarbeiterin in Frankfurt vergessen, einen Aufkleber an ihren Koffergriff zu kleben. Eine Kleinigkeit, die große Auswirkungen hat und neben viel Geld auch viele viele Nerven kostet. Dummerweise enthielt die Tasche auch keinerlei Identitätshinweis. Aer Lingus, machtlos und verständnisvoll, ließ Gabi ein Formular ausfüllen und verwies auf einem ausgehändigten Vordruck auf eine Hotline, welche man ab dem nächsten Nachmittag anrufen könne.

Um 23:30h ging es dann in die Stadt – mit einem höchst unguten Gefühl im Bauch.

Hilf dir selbst

Der nächste Morgen kam schnell und ich rief bei der netten Hotline der Aer Lingus an – 25 Cent pro Minute. Man bekommt sein Gepäck verloren und zahlt für jede der 8 Minuten in der Warteschlange 25 Cent Gebühren, nur um dann von einem Mitarbeiter zu erfahren, dass die Tasche noch nicht da ist und Aer Lingus auch keinerlei Ahnung hat, wo sich diese aufhält: “We apologise and call you back.” Böse Tasche. Einfach so zu verschwinden; ich hatte eigentlich immer den Eindruck, dass sie sich ganz wohlfühlt.

Zum Glück war Gabis Flug ja kein Transferflug, sie stieg auf dem langen Weg durch Europa nicht um. Somit blieb nur eine Möglichkeit: Ist die Tasche nicht in Irland, wird sie wohl in Frankfurt sein.

Also: Griff zum Telefon. Die Mitarbeiter in Frankfurt stellten sich ab diesem Moment leider als höchst unfähig heraus. Bei meinem ersten Anruf fragte ich, ob eine Tasche wissentlich liegengeblieben wäre vom vorabendlichen Flug der Aer Lingus. Ich wurde höchst unfreundlich abgewiesen, “wissen Sie, wie viele Taschen liegen bleiben; das weiß ich doch jetzt nicht”. Eine Stunde später rief ich nochmal an, um eine Beschreibung der Tasche durchzugeben. Es war die gleiche Frau am Telefon, wie zuvor. Komischerweise war sie sofort in der Lage, innerhalb von 20 Sekunden festzustellen, dass tatsächlich eine passende Tasche liegen geblieben war. Die Freude war groß, wir arrangierten, dass die Tasche mit dem nächsten Flug nach Irland geschickt werden solle. Perfekt eingefädelt, ohne Aer Lingus.

Wie gewonnen, so zerronnen

Wer sich fragt, was man ohne Tasche macht, bekommt nun eine Antwort: Shoppen. Gabi hatte ja nun keinerlei Kleidung, wenigstens befand sich ein großer Teil ihres Kulturbeutels bei mir in Irland. Wir verbrachten also den Vormittag des Freitags in der Stadt, da wir abends Karten für Riverdance im Gaity Theatre in Dublin hatten und man dort schlecht mit Jeans und Turnschuhen auftauchen kann. Die Abendgaderobe lag ja immernoch schluchzend in Gabis Tasche.

Am Nachmittag rief mich die Dame der Fraport noch einmal zurück und bestätigte mir mit Freude, dass die Tasche auf den Flug gebucht werde und ich einen Anruf bekäme am nächsten Morgen, damit sie uns  zugestellt werden könne.

Der Samstagmorgen begann mit ungeuldigem Warten auf einen Anruf der Aer Lingus; schließlich war der Flug ja nun schon seit über 12 Stunden gelandet. Um 12 Uhr griff ich erneut zum Handy  und rief die 25 Cent Nummer an. Das Ergebnis war erstaunlich: “Ja, die Tasche sollte auf den Flug gehen. Aber hier kam keine an. We’ll call you back.” Frust. Anruf in Frankfurt: Ja, “ich hab hier einen grünen Punkt auf dem Bildschirm. Die Tasche hat Frankfurt gestern Abend verlassen”. Unglaublich: Offensichtlich hatte sie jemand aus dem Flugzeug geworfen. Anders kann ichs mir nicht erklären.

Den Samstag verbrachten wir in Greystones, eine süße kleine Stadt südlich von Dublin. Man fährt mit der Bahn direkt am Meer entlang, angeblich eine der schönsten Zugstrecken in Europa (Info für Bahnenthusiasten).

Ein unerwarter Rückruf

Auf dem Rückweg nach Dublin rief ich erneut bei meiner Lieblingshotline an und beschwerte mich, diesmal ein wenig bestimmter. Mein Gesprächspartner schien mich auch zu verstehen und sagte “ja, ist ärgerlich, wenn einem etwas versprochen wird, was nicht gehalten wird, bla bla, ich rufe mal in Frankfurt an … I’ll call you back.” Genau. Er ruft zurück- wie alle anderen. Also: Wieder shoppen, Sachen für den nächsten Tag. Bis mein Handy klingelte: Der Mitarbeiter vom letzten Gespräch war dran. Am liebsten hätte ich es jedem Passanten in der Fußgängerzone gesagt, in der ich mich befand: “Aer Lingus ist dran! Aer Lingus ist dran! Unglaublich, sie haben doch noch einen Funken Anstand!”

Er sagte dann: “Good news, Frankfurt hat bestätigt, dass die Tasche noch dort ist, sie geht heute Abend raus. Ich bestätige das nochmal und rufe nochmal zurück.” Dass er nie zurückrief, bleibt hier nicht unerwähnt. Aber immerhin: Frankfurt hat die Tasche.

Hurra?

Dennoch: Vertrauen ist gut, Kontrolle besser. Viel besser in diesem Fall. Offensichtlich sprechen Frankfurt und Dublin nämlich unterschiedliche Sprachen am Telefon. Um sicher zu gehen, dass die Frankfurter Mitarbeiter diesmal wirklich ihrer Arbeit nach gehen und die Tasche verschicken, rief ich erneut in Frankfurt an.

“Wie: Irland sagt, die Tasche wäre noch hier? Sie ist nicht hier! Das haben wir denen auch am Telefon gesagt!” Ist das zu fassen? Am liebsten wäre ich durch die Leitung gesprungen und hätte die ganze Abteilung unter einem Haufen Koffer begraben. Das Aer Lingus Call Centre hatte schon geschlossen, es war also nichts zu machen, außer selbst in Dublin am Flughafen nachzuschauen, ob die Tasche da ist. Wir also in den Bus gestiegen und zum Flughafen, die Räume der Aer Lingus mit verlorenem Gepäck sind aber wirklich so klein, dass man dort keine Tasche übersehen kann. Offensichtlich war die Tasche also tatsächlich nicht in Dublin und die Schuldigen an der Misere saßen in Frankfurt.

Ruhiger Sonntag

Der Sonntag war dann einfach nur ruhig: Ich wollte einfach nicht nochmal mit den beiden Parteien telefonieren und mich im Kreis drehen, sondern einfach nur abwarten, was passiert. Unglaublich, wie man irgendwann resigniert bei so viel Service.

Am Montag klingelte mittags um eins tatsächlich mein Handy! Aer Lingus war dran! “Very good news, ihre Tasche ist heute morgen in Dublin angekommen! Sie wird heute oder morgen noch ausgeliefert.” Danke Frankfurt! Wahrscheinlich habt Ihr Euch riesig für Gabi ins Zeug gelegt und die ganze Gepäckhalle des Flughafens durchsucht nach der Tasche und ein Freudenfest ihr zu Ehren abgehalten, nachdem sie gefunden wurde.

Am Montagabend, 24 Stunden vor Gabis Abflug nach Deutschland, kam dann endlich die Tasche an.

Kosten der Aktion: 176324 Nerven, gefühlte 2 Jahre Lebenszeit, 30 Euro Telefonkosten, ca. 5 Stunden Zeit, plus alle Klamottenkosten. Danke, Fraport, für das nicht Aufkleben eines Baggage Tags und das erneute Verlieren der Tasche einen Tag später. Nicht schlecht: an zwei Tagen ein und dieselbe Tasche zweimal zu verlieren.