A long and winding road.

Heute möchte ich mal wieder kurz über unseren Weg hin zu mehr Effizienz und Transparenz beschreiben, den wir als Softwareentwicklungsteam seit einigen Monaten beschreiten. Der Titel des Beitrags klingt vielleicht unterschwellig viel negativer, als ich es meine. Aber er drückt doch gut aus, was gerade passiert: Wir befinden uns auf einer langen Straße, die, um es noch bildlicher auszudrücken, am Anfang sehr holprig und ohne Beschilderung war und nun immerhin schon zu einer stattlichen Bundesstraße ausgebaut wurde.

Nachdem wir Anfang 2011 begannen, unsere Entwicklungsarbeit in User Stories und Tasks toolgestützt zu organisieren, konnten wir schon einen enormen Fortschritt erreichen: Durch unsere Daily Stand-up Meetings  sorgten wir für eine große Transparenz der Dinge, die gerade passieren. Sei es in Entwicklungsprojekten oder in den vielen Wartungsprojekten, die wir in unserer Firma betreuen. Insbesondere finde ich die Wandlung in der Kommunikation spannend: In einer Atmosphäre ohne Finger-Pointing steht jeder für die Dinge gerade, die er erfolgreich erledigt, gibt aber auch einen ehrlichen Status über die Dinge, die nicht gut laufen und wo er Hilfe benötigt. Letzteres ist heute noch manchmal nicht so leicht, wie mir auffällt. Aber wir werden besser. Im großen und ganzen entsteht eine immer offenere Atmosphäre, was sich zwangsläufig auf die Produktivität aller niederschlägt.

Nach einer Scrum-Basis-Schulung später im Jahr durch it-agile führten wir nun auch regelmäßige Plannings, Reviews und Retrospektiven ein. Ein großer Schritt! Und wieder ist hier die Wandlung der Kommunikation das eigentlich spannende: das regelmäßige Erarbeiten von guten wie schlechten Aspekten im vorangegangenen Sprint sorgt in der Retrospektive für ein immer offeneres Miteinander des gesamten Teams, inkl. Product Owner und Scrum Master (auch, wenn wir diese Rollen bisher noch gar nicht so etabliert haben, wie sie das Scrum Buch definiert). Der stetige Drang, den Entwicklungsprozess zu verbessern durch ein “optimiertes” Miteinander, wird erst durch die Retrospektive in Gang gesetzt. Nicht zuletzt ist gerade dieses Meeting, aus welchem man mit konkreten Verbesserungsvorschlägen ins nächste Sprint Planning geht, höchst motivierend – committet man sich doch auf Schritte, die man selbst als verbesserungswürdig definiert hat.

Aber auch unsere gesamte Entwicklungsplanung verbessert sich stetig: Insebesondere werden durch die Plannings und durch das Committment auf ein Gespräch über jede User Story die Produkte besser: War es bisher so, dass neue Features bis ins (vermeidlich) letzte Detail in großen Excel-Listen im stillen Kämmerlein erstellt wurden und das “Design” der Software in der Umklammerung einzelner lag, bewegen wir uns heute immer mehr in einer Atmosphäre, in der die Intelligenz des gesamten Teams genutzt wird: Features werden mit dem Product Owner gemeinsam diskutiert und die Anforderungen und Akzeptanzkriterien zusammengetragen. Vor der Bearbeitung einer jeden User Story wird das Gespräch mit dem Product Owner gesucht und die Details der Anforderung besprochen. Eine bemerkenswerte Änderung hin zu mehr Kommunikation, weniger Dokumenten-Overhead und größerer Qualität durch Klarheit der Anforderungen.

All diese Dinge gehen einher mit einer Veränderung der Coding-Methodik und allgemeinen Zeitorganisation: Peer-Reviews wurden Pflicht, wo immer es geht wird Pair Programming durchgeführt. Darüber hinaus blockt sich das Team als ganzes die ersten vier Stunden eines Tages für die Projektarbeit und wird hier nicht unterbrochen durch Anfragen aus Wartungsprojekten oder sonstigem Tagesgeschäft. Wenn also nicht gerade der Webserver brennt, hat das Team nun Zeit, den halben Tag ungestört am Projekt zu arbeiten. Alle weiteren Abteilungen akzeptieren dies voll und kommen mit ihren Anfragen außerhalb dieser Zeiten – also vor 9 Uhr oder nach 13h. Das sorgt für eine viel stärkere Fokussierung auf die Projektarbeit.

Alles in allem machen wir uns also immer besser. Es macht Spaß, zu erleben, wie man gemeinsam die Atmosphäre, in der man arbeitet, verändern, die Qualität verbessern und die Produktivität steigern kann. Die am Anfang dieses Posts angesprochene Straße hat nun doch eine recht deutliche Beschilderung und erfährt einen stetigen Ausbau. Die Schulung zum Certified Scrum Master steht auch noch an, dem Product Owner “blüht” auch eine offzielle Schulung und andere Abteilungen im Haus zeigen immer mehr Interesse an dem, was wir tun: immer wieder stehen Kollegen interessiert am Board in unserem Büro oder auf dem Flur, in welchem eine Übersicht über alle Projekte hängt, die derzeit bei uns bearbeitet werden. Alles in allem wird dies eine Erfolgsgeschichte sein, wenn sie fertig ist. Aber wahrscheinlich ist man das ja nie 🙂

3 Replies to “A long and winding road.”

  1. Hallo Matthias, das liest sich sehr spannend. Auch wir haben in unseren Projekten einen ähnlichen Weg beschritten und konnten ähnliche Effekte erleben. Weiterhin viel Erfolg bei der Scrum-Einführung! Wie von dir vermutet endet der Weg wohl nicht, sondern nimmt immer wieder spannende Wendungen. 😉

  2. Hi Paul,

    ja, es ist wirklich spannend. Was ich so erstaunlich finde ist, dass alle Maßnahmen eigentlich so einfach sind und man sich fragt, warum es so lange dauert(e), bis man sich als Team in diese Richtung entwickelt. Mal schauen, was uns noch erwartet!

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