Corona zeigt uns: Wir sind egoistische Lemminge.

Während das RKI warnt, dass ohne die Verminderung der sozialen Kontakte die Anzahl von mit Corona-Infizierten in Deutschland schnell auf irrsinnige Zahlen steigen könnte, vergnügen sich viele Menschen in Deutschland beim Grillen auf der Wiese, beim Schnack im Café oder im Shopping Center. Das Wetter ist ja so schön. Und außerdem macht das Center ja auch bald für ein paar Wochen zu. Schnell noch hin und ein letztes Mal konsumieren.

Der Individualismus und die damit verbundene Suche nach der eigenen Bequemlichkeit scheint jedem so wichtig zu sein, dass man sich nicht mal die Mühe macht, weiter als bis zu seinen eigenen Plüschpuscheln zu denken.

Hier kommt echt viel zusammen: Mit Weitblick, Verantwortungsübernahme, Selbstorganisation, Medienkompetenz, Mut und Verzicht im Blick auf ein großes Ganzes scheint es nicht weit her zu sein.

Im Gegenteil: Viele von uns scheinen egoistische und bequeme Lemminge zu sein, die sich so lange nicht von ihrem Hintern bewegen, bis ihnen jemand sagt, dass sie das tun sollen. Das zeigt eine Haltung, die ich wirklich nicht verstehe. Der eigene Konsum und die eigene Bequemlichkeit scheint vielen so viel wichtiger zu sein, als links und rechts zu schauen, dass wir als Gesellschaft gemeinsam ein Ziel ereichen. Individualismus hat hier keine Schnittmenge mit Solidarität. Das Unbequeme wird nur gemacht, wenn jemand eine Ansage macht. Eben wie bei Lemmingen.

Es ist dabei so einfach, mündig und verantwortlich zu handeln. Sich selbst zu informieren. Selbst zu bewerten. Selbst nach rechts und links zu schauen. Selbst zu entscheiden und seinen Schluss zu ziehen auf Grund der Wissenschaft und deren Warnungen. In Verantwortung für sich selbst und für unsere Gesellschaft Verzicht zu üben. Sich einzuschränken. Statt dessen herrscht: “Alles zur Kenntnis genommen, aber solange ich nicht muss, mach ich auch nix. Betrifft mich nicht.” Als ob wir darauf warten, bis uns jemand sagt, dass wir jetzt müssen. Wie die Kids auf dem Spielplatz, die erst dann von der Schaukel gehen, wenn die Eltern ihnen zum 10. Mal gesagt haben, dass auch andere Kinder schaukeln wollen.

Sind wir wirklich so verwöhnt?
Geht es unserer Generation wirklich schon (zu) lange zu gut?
Haben wir es verlernt, auf die verbindenden Dinge einer Gesellschaft zu schauen?
Ist jeder nur mit sich beschäftigt und seinem Konsum, seiner ach so wichtigen Individualität?
Sind wir so unmündig, uns Informationen zu beschaffen, Entscheidungen zu treffen und zu handeln?
Scheinbar ja.

Natürlich. Es ist eine komplexe Situation. Ich verlange von niemandem, dass er damit umgehen kann. Dennoch sind die Informationen, die RKI, Regierung, Medien und die Erfahrung aus anderen Ländern uns lehren, so eindeutig und lassen nur einen Schluss zu: Bleibt einander fern, haltet Abstand, geht nach Hause.

Diese Katastrophe machen unsere Menschen selbst. Jeder, der heute immer noch meint, auf dem Deich sitzen zu müssen bei dem schönen Wetter mit einer Gruppe von Menschen; jeder, der unnötigerweise quer durch die Stadt mit Straßenbahn, U-Bahn und Bus fährt; jedem, der immer noch in vollen Cafés abhängt sei gesagt: Du bist mit dran schuld, dass wir die Infektionskurve nicht in den Griff bekommen.

Schade, ich dachte, wir wären als Gesellschaft deutlich erwachsener. Weit gefehlt.

Abschließend aber ein großes Danke an alle, die das verstanden haben, anders handeln und innerlich genickt haben, als sie diese Zeilen gelesen haben. Ihr zeigt Haltung.