Motivation: Autonomy, Mastery, Purpose. Und Variety.

Über Motivation wurde schon so wahnsinnig viel geschrieben, sodass niemand mehr der Unterschied zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation überraschen darf. Wobei, wer weiß 🙂

Der für mich spannendste Impulsgeber zum Thema Motivation ist Daniel Pink. In seinem mittlerweile zehn Jahre alten Buch “Drive” beschreibt er, dass die alten extrinsischen Prinzipien der Belohnung und Bestrafung ungeeignet sind für die Motivation von Menschen. Wohl aber können sie so richtig demotivieren.

Was uns Menschen laut Pink aber motiviert, ist die Möglichkeit, zu lernen, zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen für die Dinge, für die wir einen Sinn verspüren. Hier werden wir liebend gerne zu Experten, beschäftigen uns in der Tiefe mit allem, was wir brauchen, um Herr eines Themas zu werden oder Tätigkeiten zu beherrschen.

Er unterscheidet drei kritische Faktoren, die ich gleich kurz zusammenfasse. Ich habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht und werde sie danach – Spoiler Alert – durch einen Verstärker ergänzen.

Autonomy, Mastery & Purpose

Daniel Pinks Buch ist an anderer Stelle oft besprochen worden. Ich fasse hier nur schnell ein paar Key Facts zusammen. Pink beschreibt drei Kernelemente, die auf die Motivation von Menschen wirken:

Autonomy ist unser innerster menschlicher Drang, unser Leben zu gestalten. Und das schließt unseren Job mit ein. Nur mit einem hohen Grad an Autonomie und Selbstbestimmung entsteht Kreativität.

Mastery ist der Drang, das, was wir gerne tun, zu verbessern und perfekt beherrschen zu wollen.

Purpose – das Wort unserer Zeit. Eine schöne deutsche Ein-Wort-Übersetzung kenne ich nicht. Sinn, Sinnhaftigkeit, Zweck vielleicht. Zumindest aber motivert Menschen das, was einer Sache einen höheren Nutzen zuordnet, deutlich mehr als Dinge, bei denen dies nicht erkennbar ist.

Gedanken zu Variety als Verstärker

Wenn ich mit Menschen rede und sie frage, was sie an ihrem Job motiviert, sagen sie “er ist abwechslungsreich”. Oder umgekehrt: Wenn sie ihn nicht mögen, sagen sie “er ist zu eintönig”. Das ist für mich immer wieder reproduzierbar (ohne, dass ich eine mit Zahlen belegte Studie hätte). Daran schließen sich meine folgenden Gedanken an, zu denen ich mich sehr über Meinungen freue!

Anscheinend ist die Vielfalt in unserem Beruf ein Motivationshebel und fungiert als Verstärker für die oben genannten Motivationsfaktoren. Dabei bezieht sich Vielfalt auf unterschiedlichste Aspekte, die uns zu einer Vielzahl an Handlungen motivieren. Wirke ich auf ein System mit unterschiedlichsten Reizen, entsteht eine große Vielfalt an Reaktionen. Das lehrt uns die Systemtheorie. Je mehr Reize ich bspw. einem Kind in seiner Sprachentwicklung gebe (z. B. einem Baby regelmäßig vorzulesen oder es immer wieder anzusprechen), desto ausgeprägter wird seine Sprachentwicklung sein.

Diese Vielfalt an Reizen verstärkt also Motivation, solange sie im Kontext der oben genannten Faktoren stehen und somit nicht gegenläufig zu diesen sind. Menschen, die in ihren Tätigkeiten regelmäßig neuen Impulsen ausgesetzt sind, werden eine höhere Motivation in ihrer Tätigkeit erleben.

Ein Beispiel: Wenn ich mich intensiv mit einem Thema auseinandersetze und anfange, darüber zu recherchieren, mit Menschen zu sprechen und mich auszutauschen, entstehen auf dem Weg immer neue Reize, die mich immer weiter und tiefer in die Materie gehen lassen.

Solche Aspekte der Vielfalt können bspw.

  • unterschiedliche Aufgaben mit wenig Eintönigkeit,
  • divers aufgestellte Teams: Unterschiedliche Skills, Alter, kulturelle Hintergründe
  • verschiedene Menschen, die im Umfeld der Teams arbeiten und mich unterstützen: Communities of Practice, Job Rotation, Hospitationen, Lunch Dates
  • unterschiedliche Arbeitsorte (im Sinne von Reisetätigkeiten)
  • flexible “Standararbeitsorte” (Homeoffice, Co-Location, Co-Working-Spaces,..)
  • ein breiter Rahmen für die Gestaltung der Arbeitszeiten
  • Einblicke in Domänen anderer Bereiche: Brown Bag Meetings, interne Vorträge, Meetups

sein.

Ein kreatives Sammelsurium, das vielfältige Reize ermöglicht. Auch hier geht es nicht um ein “nur” sondern ein “auch” – die Balance ist auch hier entscheidend. Für jemanden, der als Softwareentwickler arbeitet, mag eine intensive Reisetätigkeit als Belastung wirken. Für einen Vertriebler vielleicht sogar als Bereicherung. Der Einzelfall entscheidet.

Für uns Führungskräfte bedeutet auch dies, in den Dialog zu gehen und herauszufinden, was die Variety-Treiber für die Menschen sind und was hinsichtlich der Motivationsfaktoren getan werden kann. Der Dialog ist entscheidend und wird Erkenntnisse bringen. Fragen wie “was ist dir wirklich wichtig”, “wie stark ist das in deiner aktuellen Tätigkeit ausgeprägt” und “wie kann dich das Unternehmen dabei unterstützen, die Situation zu verändern” können ein Schlüssel sein, um im Gespräch mit den Menschen diesen Motivationsverstärker zu adressieren. Nur so können gezielt und effizient die Verstärker eingesetzt werden.

Wie seht ihr das? Wie könnte Variety als Verstärker noch adressiert werden und was können wir als Führungskräfte tun, um Menschen dabei zu unterstützen?

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